William Burns - Ein Veteran der Nahost-Politik

22. Mai 2001, 12:19
posten

Bisheriger US-Botschafter in Jordanien wird US-Sonderbeauftragter für den Nahen Osten

Amman - William Burns, der am Montag von US-Außenminister Colin Powell zum Sonderbeauftragten Washingtons für den Nahen Osten ernannt wurde, ist ein Veteran der Nahost-Politik. Der 44-jährige US-Diplomat ist seit 1998 amerikanischer Botschafter in Jordanien. "Ein aktives amerikanisches Engagement im Nahen Osten ist eine Notwendigkeit, keine Option", erklärte Burns bei einer Sitzung vor dem außenpolitischen Ausschuss des US-Senats, der seine Nominierung zum US-Sonderbeauftragten bestätigen muss.

Eine gewisse Bescheidenheit dürfte Burns während der Jahre zu einer Art Markenzeichen gemacht haben. "Im Einsatz von Führerschaft und Macht der USA würde ein wenig Demut nicht schaden", betonte Burns vor dem Senatsausschuss. Auch die USA hätten nicht den Stein der Weisen für den Nahen Osten gefunden.

Den Einsatz von Gewalt hält der neue US-Sonderbeauftragte dagegen für eine "Sackgasse" - sowohl für Israel, als auch für die Palästinenser. Eine hundertprozentige Anstrengung für die Beendigung der Gewalt allein würde nicht ausreichen, gab sich Burns überzeugt. Vielmehr müssten auch die wirtschaftlichen Perspektiven wieder aufgebaut, Vertrauen wieder hergestellt und Provokationen beseitigt werden.

Burns ist zwar vom Senat noch nicht in seiner neuen Funktion bestätigt, wird aber gleichwohl ohne Verzögerung sein Amt als Nahost-Sonderbeauftragter von Außenminister Powell und US-Präsident George W. Bush für die israelisch-palästinensischen Gespräche aufnehmen.

Jordanien war der erste diplomatische Posten Burns. Von 1982 bis 1984 wirkte er dort als politischer Berater. 1998, als sich König Hussein von Jordanien einer Krebsbehandlung in den USA unterzog, wurde er Botschafter der Vereinigten Staaten in Amman.

Von Anbeginn an verwies Burns auf die Schlüsselrolle Jordaniens bei einer Annäherung Israels und der Palästinenser. Der US-Diplomat nahm im Oktober 1998 an den Friedensverhandlungen von Wye Plantation (USA) teil, bei denen König Hussein zum letzten Mal öffentlich in Erscheinung trat. Hussein starb im Februar 1999 an Krebs. Bei allen Nahost-Gesprächen unter Schirmherrschaft der USA, an denen Jordanien teilnahm, war Burns dabei.

Burns gilt als Kenner der Nahost-Problematik, in Diplomatenkreisen eilt ihm der Ruf eines pragmatischen, ernsthaften, sensiblen und aktiven Menschen voraus. "Zwischen einem amerikanischen Botschafter und dem jordanischen Staatsoberhaupt besteht traditionell ein Naheverhältnis, die Kontakte von William Burns mit König Abdullah II. sind allerdings besonders warmherzig", sagte ein Vertrauter des jordanischen Königs. Seine Abberufung aus Jordanien sei ein Verlust für das Land, aber ein Gewinn für die gesamte Region.

Burns studierte Geschichte und internationaler Beziehungen, er schrieb unter anderem Fachpublikationen über den Nahost-Konflikt. Der US-Diplomat spricht neben Englisch auch Arabisch, Russisch und Französisch. Er ist verheiratet und Vater zweier Töchter. (APA)

Share if you care.