HypoVereinsbank will Börsenflaute mit Bank Austria trotzen

22. Mai 2001, 17:20
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Kapitalerhöhung und Hebung stiller Reserven - Für heuer "spürbare Ergebnisverbesserung" erwartet

München - Die HypoVereinsbank (HVB) rüstet sich nach der Übernahme der Bank Austria für weitere Zukäufe in Westeuropa. Bei der Hauptversammlung heute, Dienstag, in München lässt sich der HVB-Vorstand eine Erhöhung des Grundkapitals um insgesamt 780 Mill. Euro (10,7 Mrd. S) genehmigen. Zudem kündigte Vorstandssprecher Albrecht Schmidt vor knapp 4.000 Aktionären den Verkauf nicht-strategischer Beteiligungen an. Die stillen Reserven bezifferte der HVB-Chef mit rund 10 Mrd. Euro. Damit stünden mehr als 15 Mrd. Euro als Akquisitionswährung zur Verfügung. Zur Disposition steht auch der 6,8-prozentige Anteil am Allianz-Versicherungskonzern.

Im laufenden Jahr will sich die HypoVereinsbank, die drittgrößte Bankengruppe Europas, jedoch in erster Linie dem Innenausbau der Gruppe widmen. Damit ist vor allem die Integration der Bank Austria gemeint, mit der sich Schmidt "sehr zufrieden" zeigte. Bis zum Herbst dieses Jahres werde die Eingliederung große Fortschritte auf breiter Front erzielt haben, die Aktivitäten in den Ländern Mittel- und Osteuropas dürften bis dahin bereits vollständig abgeschlossen sein. Ähnliches gelte für den Auftritt an den großen internationalen Finanzplätzen London, New York und Tokio. Nach dem Sommer sollte ein Großteil der "Überlappungen" beider Banken planmäßig bereinigt sein. Danach soll die tiefere Verwurzelung in den Märkten Westeuropas kommen.

Synergiepotenzial von rund 500 Mill. Euro pro Jahr

Schmidt rechnet durch die Integration der Bank Austria mit einem Synergiepotenzial von insgesamt rund 500 Mill. Euro pro Jahr: 320 Mill. Euro sollen durch den Abbau von Doppelfunktionen, die Erhöhung der Effizienz in Strukturen und Abläufen sowie die Implementierung einheitlicher Standards erfolgen, weitere 175 Mill. Euro sollen durch Optimierungen innerhalb der Bank Austria erzielt werden. Der Einfluss der größten österreichischen Bank auf das Geschäftsergebnis der HVB-Gruppe sei vom ersten Moment an positiv gewesen, unterstrich der HVB-Chef. Die Ertragskraft der HVB sei deutlich gestärkt worden, der Grundstein für ein weiter dynamisches Ergebniswachstum sei gelegt.

Bei der Hauptversammlung sind erstmals auch die ehemaligen Bank Austria-Aktionäre, die nach dem Aktientausch nunmehr an der HypoVereinsbank beteiligt sind, anwesend. Insgesamt befindet sich rund ein Viertel der HVB-Anteile in österreichischer Hand, darunter der größte Teil bei institutionellen Anlegern. Wie viele der knapp 4.000 HVB-Aktionäre aus Österreich kamen, ist nicht bekannt. Fest steht aber, dass 50 heimische Aktieninhaber mit einem eigenen Bus aus Österreich angereist sind.

Festhalten an Ertzragszahlen

Mit dem neuen Großaktionär Münchener Rück, der künftig 25,7 Prozent an der HVB hält, will die zweitgrößte deutsche Bank Schmidt zufolge nicht nur im Versicherungsvertrieb am Bankschalter, sondern auch im Transfer von Risikopositionen an die Kapitalmärkte und der Vermögensverwaltung kooperieren. "Im Feld Asset Management werden wir unsere gemeinsamen Optionen ebenfalls sorgfältig prüfen und wahrnehmen", sagte Schmidt laut Reuters.

An den Ertragszielen für das laufende Jahr hält die HVB trotz eines für die meisten Analysten enttäuschenden ersten Quartals fest. Schmidt sagte, die Bank gehe weiter von einer "spürbaren Ergebnisverbesserung" und einer Eigenkapitalrendite von 10 bis 12 Prozent nach Steuern aus. Im vergangenen Jahr hatte die HVB eine Rendite auf das eingesetzte Kapital von 9,2 Prozent erzielt. "Mit dem Quartalsergebnis liegen wir im Plan für unsere ambitionierten Gesamtjahresziele", sagte Schmidt. Bessere Ergebnisse forderte er jedoch ausdrücklich für das Provisionsgeschäft und den Eigenhandel, die in den ersten drei Monaten 2001 eingebrochen waren.

Im ersten Quartal war das Ergebnis der Bank vor Steuern nur auf Grund eines Erlöses von 370 Millionen Euro aus dem Verkauf des britischen Vermögensverwalters Foreign & Colonial und der erstmaligen Konsolidierung der Bank Austria auf 770 (617) Mill. Euro gestiegen. Ohne den Sonderertrag wäre es um 35 Prozent gesunken. (APA)

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