Kein Bevölkerungswachstum in den Industrieländern

22. Mai 2001, 11:04
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Jährlich werden in den "armen" Ländern rund 123 Millionen Babys geboren, in den "reichen" 13 Millionen

Washington - Die große jährliche Zunahme der Weltbevölkerung ist fast ausschließlich auf Geburten in den armen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas zurückzuführen. In den Industrieländern ist das natürliche Bevölkerungswachstum nahezu zum Stillstand gekommen. Das sind die wichtigsten Trends im Jahresbericht des Washingtoner Population Reference Bureaus, der am Montag veröffentlicht wurde.

Nach Prognose der Autoren Carl Haub und Diana Cornelius wird die Bevölkerung in den Entwicklungsländern bis 2050 um 2,9 Milliarden, in den reichen Ländern dagegen nur um 49 Millionen Menschen wachsen. Das Ergebnis wäre "eine andere Welt, was die Bevölkerung angeht".

Frauen in den weniger entwickelten Ländern außer China bringen im statistischen Mittel 3,6 Kinder zur Welt, in den Industrieländern sind es 1,6. Jährlich werden in den armen Ländern rund 123 Millionen Babys geboren, in den reichen 13 Millionen. In den reichen Ländern sterben jährlich zwölf Millionen Menschen. Von der jährlichen Zunahme der Weltbevölkerung um 83 Millionen Menschen entfielen demnach nur noch eine Million auf die Industrieländer.

In Europa sterben inzwischen mehr Menschen, als geboren werden, hieß es weiter. Das führe zu einer "natürlichen Bevölkerungsabnahme" in den Ländern, in denen dies nicht durch Zuwanderung ausgeglichen werde. Die USA seien das einzige Industrieland, in dem die Geburtenrate mit 2,1 pro Frau noch auf dem "Reproduktionsniveau" liege.

Im südlichen Afrika werden durch die tödliche Immunschwächekrankheit Aids inzwischen aber frühere Prognosen für ein großes Bevölkerungswachstum widerlegt, hieß es weiter. In Botswana, Südafrika und Simbabwe werde in den nächsten 50 Jahren die Bevölkerung vermutlich abnehmen. In Botswana beispielsweise seien 36 Prozent der 1,6 Millionen Einwohner mit dem Aids-Virus infiziert. (APA)

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