Parteipolitischer Einfluss bei tschechischem Fernsehen befürchtet

23. Mai 2001, 11:17
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Wahl der Mitglieder des neuen Aufsichtsrates verschoben

Die für Mittwoch geplante Wahl der Mitglieder des neuen Aufsichtsrates des öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehens (CT) ist verschoben worden. Die Abstimmung im Abgeordnetenhaus wird nun frühestens am Freitag stattfinden. Hintergrund der Maßnahme sind Proteste einer Gruppe von Intellektuellen und einiger CT-Mitarbeiter gegen die Zusammensetzung der Liste von 45 Kandidaten, aus denen der 15-Köpfige Rat gewählt werden soll.

Nominierung prüfen

Die Kritiker, die sich in einer "Bürger-Liga" vereinigt haben, protestieren, dass die Kandidaten, die in die engere Wahl gezogen wurden, unter parteipolitischem Einfluss stünden. Deshalb sei die Unabhängigkeit des Senders nicht garantiert. Der Sonder-Wahlausschuss des Abgeordnetenhauses soll die Nominierungen nun erneut überprüfen und eine neue Liste vorlegen. Dafür setzte sich vor allem die Vierer-Koalition (4K - Bündnis von vier kleineren oppositionellen Rechts- und Mitte-Rechtsparteien) ein, die während der Krise um das CT Ende 2000 und Anfang 2001 eindeutig auf der Seite der aufständischen Redakteure stand.

Mehrere CT-Redakteure, die die engere Auswahl der 45 Kandidaten kritisieren, haben nun schließen nun jedoch aus, dass sie sich in die Proteste direkt einschalten. "Wir werden natürlich darüber im Rahmen unserer Pflichte informieren, das ist alles. Ich denke nicht, dass diese Situation die Gründung eines neuen Krisen-Ausschusses im CT erfordert", sagte die Nachrichten-Moderatorin Jolana Voldanova.

Kampagne angekündigt

Die CT-Dramaturgin Alena Müllerova fügte hinzu, die CT-Mitarbeiter würden an den Veranstaltungen der "Bürger-Liga" lieber nicht teilnehmen. "Das könnte der Sache schaden". Die Führung der "Bürger-Liga", der neben den Intellektuellen auch Schauspieler angehören, kündigte unterdessen eine ausgedehnte Kampagne bis die Parlamentswahlen im nächsten Jahr an. "Wir werden durch das Land fahren und den Leuten erklären, worum es bei der Wahl des CT-Rates geht und dass sie aufpassen sollen, wem sie in den Parlamentswahlen die Stimme abgeben", erklärte der Schauspieler Jan Kraus, eine der führenden Personen der vergangenen Proteste gegen die CT-Führung unter dem umstrittenen Generaldirektor Jiri Hodac. Dieser war schließlich zum Rücktritt gezwungen worden.

Kraus kündigte weiters an, die "Bürger-Liga" werde über ihre Tätigkeit ausschließlich die Tageszeitung "Lidove noviny" informieren. "Für übrige Journalisten gilt ein Embargo" betonte Kraus. Er spielte damit offen auf die Tatsache an, dass "Lidove noviny" während der TV-Krise jene Tageszeitung war, die sich am stärksten hinter die aufständischen CT-Redakteure stellte. (APA)

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