Motivation lässt sich nicht kaufen

22. Mai 2001, 10:00
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Ein Power Tag mit Reinhard K. Sprenger

Die hogast, Einkaufsgenossenschaft für Hotellerie und Gastronomie, rief zum Power Tag ins Gut Brandlhof bei Saalfelden. 200 Führungskräfte der Branche ließen sich die Chance nicht entgehen mit Dr. Reinhard K. Sprenger einen der führenden Motivationstrainer Europas zu erleben.

Selbstverantwortung

Doch schon nach wenigen Minuten des Seminars wurde ihnen klar: Im Gegensatz zum 1. Power Tag referierte diesmal kein ausgefuchster Motivationsguru, sondern ein klarer Analytiker, der vor allem die Botschaft der Selbstverantwortung vermittelte. "Nichts macht so flexibel wie Vertrauen".

Leistung hat drei Dimensionen

  • Leistungsbereitschaft - das Wollen
  • Leistungsfähigkeit - das Können
  • Leistungsmöglichkeit - das (Zu)Lassen

Wer in seinem Umfeld Demotivierung ortet, neigt dazu, nur die Leistungsbereitschaft anzusprechen. "Man muss nur wollen," behaupten die Motivationskünstler. Laut Sprenger setzen sie aufs Motivieren, nicht auf Motivation. Motivierung ist Fremd-, Motivation Eigensteuerung. Ein im Betriebsalltag angewandtes Beispiel für die negativen Folgen der Motivierung sieht Sprenger in Bonussystemen. "Nur kurzfristig lassen sich Leistungssteigerungen mit der Karotte vor der Nase erzielen." Doch die Karotte fault rasch. Der Wissenschafter beruft sich dabei auch auf die "doppelte Quantifizierung" in der Verhaltensforschung: Reiz und Trieb verleiten zur Aktion. Wird der externe Reiz erhöht, reduziert sich der innere Trieb. Belohnung ersetzt den Eigenantrieb, Belohnungssucht entsteht. Sprenger spricht von einer Verrentung der Leistungsprämie.

"Wer für Geld kommt, geht für Geld"

Unternehmen die langfristig erfolgreich sein wollen entkoppeln Motivation von Geld oder Incentives. In Wahrheit herrsche bei allen Menschen Motivationsüberschuss. Es geht ums Ermöglichen. Sprich Mitarbeiter ihrem Talent entsprechen auszuwählen und einzusetzen, nicht unter- oder überfordern. Eine Feedback-Kultur im Unternehmen ist zu entwickeln. Die persönliche Wertschätzung, das soziokulturelle Klima, sind entscheidend. Gerade in einem Sektor wo Personalknappheit herrscht, gewinnt das Betriebsimage als Arbeitgeber zusätzlich an Bedeutung. Mitarbeiter-Empfehlungen ersetzen jedes Inserat.

Nur Vertrauen verbindet. Leistung und Gegenleistung sind als einforderbare Vereinbarung zu definieren, die klar und konsequent durchgesetzt werden muss. Schließlich konnten die Teilnehmer des hogast PowerTages mit einer vielleicht für manche ernüchternden Erkenntnis den Heimweg antreten. Aus Mitarbeitern (und sich selbst) lassen sich auf Dauer nicht 120 Prozent herausholen. Sprenger: "Dummerweise muss man froh sein, wenn es gelingt, Leistungsbereitschaft langfristig nicht zu behindern."

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