Australische Silikon-Opfer erhalten Entschädigung

22. Mai 2001, 10:52
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Rund 200.000 Frauen leiden weltweit unter Konsequenzen geplatzter Implantate

Sydney - In dem seit zehn Jahren laufenden Mammut-Verfahren um die Entschädigung von Frauen, die unter Silikon-Brustimplantaten leiden, haben die australischen Opfer einen ersten Sieg errungen. Wie die auf Sammelklagen spezialisierte Melbourner Anwaltskanzlei Slater and Gordon am Dienstag mitteilte, soll jede der rund 3.000 betroffenen Australierinnen nach einer Entscheidung des Obersten Gerichts im Bundesstaat Victoria Anfang des nächsten Jahres von der für die Implantate verantwortlichen US-Firma Dow Corning 26.500 US-Dollar (30.272 Euro/416.550 S) erhalten.

Dow Corning hatte der Entschädigungssumme schon vor drei Jahren zugestimmt, musste jedoch erst die dafür benötigte Summe zusammentragen. In einer ersten Reaktion zeigte sich Anwalt Gordon von dem Deal "hocherfreut". Damit sei ein Kampf beendet, der schon viel zu lange gedauert habe.

Weltweit leiden 200.000 Frauen unter den Konsequenzen Weltweit leiden rund 200.000 Frauen unter den Konsequenzen von geplatzten Silikon-Implantaten. In ganz schweren Fällen waren bis zu 40 Operationen notwendig, um das im ganzen Körper verstreute Silikon zu entfernen. Da einige von ihnen inzwischen keine Vollnarkose mehr vertragen, müssen die Eingriffe häufig unter örtlicher Betäubung vorgenommen werden.

In den USA müssen Tausende Opfer wegen der langwierigen Berufungsverfahren möglicherweise noch bis zu 15 Jahre auf eine Entschädigung warten. Ihre Anwälte hatten deshalb vor zwei Monaten vergeblich versucht, die Einigung in Australien aufzuhalten, bis alle Klagen abgewickelt sind.

Australische Opfern

Zu den australischen Opfern zählt auch die 57-jährige Krankenschwester Gillian Sandy aus Perth. Auf den Rat ihres Arztes hin ließ sie sich im Alter von 22 Jahren nach einer Brustamputation Silikon-Implantate einsetzen. Nach ihren Angaben gibt es seitdem kaum einen Tag ohne Schmerzen. Sie habe ihren Job und ihr Haus verloren, und nur die Unterstützung ihres Mannes und ihrer beiden Töchter habe ihr geholfen, die vielen Operationen und den langen Kampf vor Gericht durchzustehen. "Wenn ich daran denke, was mit meinem Leben passiert ist, dann bedeutet das Geld wirklich nichts - außer, dass jetzt alles zu Ende ist." (APA)

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