"Wir werden die zionistische Entität nicht anerkennen"

21. Mai 2001, 21:23
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DER STANDARD besuchte Hussein Nablusi, den Pressebeauftragten der Hisbollah

Beirut - Zwar heißt es: keine Fotos, kein Tonband, aber Hussein Nablusi lächelt dafür ohne Unterlass. Der Pressebeauftragte der Hisbollah in Haret Hreik in Beirut ist die westliche Presse und ihre impertinenten Fragen gewöhnt. Die Milde verlässt ihn erst, als ich mich am Schluss des Gesprächs weigere, ihm meinen Pass zu geben, zum Fotokopieren; etwas echauffiert verlasse ich danach das Hisbollah-"Informationszentrum" durch das stinkende Treppenhaus.

Der junge Mann weiß genau, was er tut, seinen Sermon beginnt er mit einer scheinbaren Artigkeit der scheinbaren Autorität im Lande gegenüber: Die Hisbollah sei ganz der Meinung der libanesischen Regierung verpflichtet, dass die noch immer besetzten Shebaa-Farmen libanesisches Territorium seien, das befreit werden müsse. Davon, dass die meisten Libanesen dem "Befreiungskampf", den die Hisbollah in ihrer aller Namen führt, ablehnend gegenüber stehen, weil er die Interessen ihres Landes schädigt, will er nichts wissen. Alles von "political fingers" von außerhalb erfunden, dieselben, die nun auch die syrische Präsenz im Libanon kritisieren.

Fromme Wünsche

Und wenn Israel - wie jüngst in Haaretz angedacht - die Shebaa-Farmen aufgeben würde, ist dann der Kampf der Hisbollah gegen Israel beendet? Nein, dann stünden noch immer die Freilassung der in Israel inhaftierten Hisbollah-Leute aus. Und dann? Eine Landkarte, in denen die von Israel gelegten Landminen verzeichnet sind. (Dazu wird im Libanon folgende Geschichte erzählt: Als CNN nach dem israelischen Abzug noch vor der Hisbollah in das Hauptquartier des geflüchteten Kommandanten der Südlibanesischen Armee (SLA), Antoine Lahad, kam, waren die Karten noch da . . .)

Und natürlich die "Lösung des palästinensischen Problems": Als ich mich in diesen Punkt verbeiße und wissen will, was das genau heißt - immerhin gibt es seit kurzem in den Palästinensergebieten eine Gruppe namens "palästinensische Hisbollah" -, wird daraus eine "Lösung des palästinensischen Flüchtlingsproblems" (im Libanon leben 360.000). Und überhaupt, blöd müsste die Hisbollah sein, um ihre Absichten öffentlich zu erklären.

Die Kraft Gottes

Das gleiche Spiel mit der Frage, ob die Hisbollah eine israelisch-palästinensische Einigung akzeptieren würde. Zuerst keine klare Antwort, dann: "Wenn die ganze Welt die Legitimität der zionistischen Entität akzeptiert, wir werden es nicht tun." Und sogleich die Einschränkung: Es gebe jedoch einen "Unterschied zwischen Ablehnung und bewaffnetem Kampf". Aber das ist pure Theorie, denn "durch ihre Kraft und die Kraft Gottes" werden die Palästinenser Israel besiegen. Nach dem Sieg der Hisbollah über die Israelis und deren Abzug vor einem Jahr ist eben wieder "alles möglich". (DER STANDARD Print-Ausgabe, 22. 5. 2001)

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