Ägyptischer Soziologe zu sieben Jahren Zwangsarbeit verurteilt

22. Mai 2001, 13:24
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"Unerlaubt ausländische Gelder angenommen"

Kairo - Der bekannte ägyptische Soziologe und Demokratie-Experte Saadeddin Ibrahim ist von einem Kairoer Gericht zu sieben Jahren Haft und Zwangsarbeit verurteilt worden. Ihm wird vorgeworfen, er habe unerlaubt ausländische Gelder angenommen und das Ansehen Ägyptens geschädigt.

Ibrahim, der auch die amerikanische Staatsbürgerschaft hat, hatte eine Informationskampagne geplant, um Ägypter über ihre staatsbürgerlichen Rechte aufzuklären. Gegen das Urteil ist keine Berufung möglich. Ibrahim ist Professor an der Amerikanischen Universität in Kairo.

Amnesty beklagt "politische" Verurteilung von ägyptischem Soziologen

Intellektuelle und Menschenrechtsgruppen haben die Verurteilung des renommierten ägyptischen Menschenrechtlers Saadeddine Ibrahim scharf kritisiert. Das Kairoer Staatssicherheitsgericht hatte den 61-jährigen am Montagabend unter anderem wegen der Weitergabe "falscher Informationen" ins Ausland und der unerlaubten Annahme ausländischer Gelder zu sieben Jahren Haft und Zwangsarbeit verurteilt. Ihm wurde zur Last gelegt, er habe ohne Genehmigung EU-Fördermittel in Höhe von 261.000 Euro (261.000 Euro/3,59 Mill. S) angenommen.

"Wir befürchten, dass die Verurteilung von Dr. Saadeddine Ibrahim schon vor Ende des Prozesses feststand", erklärte Amnesty International am Dienstag. Die Klage gegen den Soziologie-Professor sei eindeutig politisch motiviert gewesen. In Kairoer Intellektuellen-Kreisen wurde das Urteil als schwerer Schlag gegen die Meinungsfreiheit gewertet.

Das von Ibrahim geleitete Ibn-Chaldun-Zentrum setzt sich für Demokratie und Menschenrechte ein. Ibrahim besitzt auch die amerikanische Staatsbürgerschaft und war Professor an der Amerikanischen Universität in Kairo. Sein Fall hatte auch in den USA für Aufsehen gesorgt.

Das Staatssicherheitsgericht verurteilte am Montagabend auch 27 Mitarbeiter Ibrahims zu Haftstrafen zwischen einem Jahr auf Bewährung und fünf Jahren Haft mit Zwangsarbeit. Gegen die Urteile ist keine Berufung möglich. Die Angeklagten waren während des Prozesses im Gerichtssaal in Käfige gesperrt worden, wie dies am Staatssicherheitsgericht üblich ist. (APA/dpa)

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