Frauen & Technik: "Puppen raus, Werkzeug rein"

23. Mai 2001, 12:28
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Rollenklischees verbauen Frauen den Weg in die Technik

Wien - "Im Kindergarten gehört die Puppenecke raus und die Werkzeugecke rein." Die Frau, die das fordert, ist eine der rund fünf Prozent Professorinnen an österreichischen Universitäten - noch dazu in einer absoluten Männerdomäne: Gerti Kappel ist die einzige Professorin an der Technisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Uni Linz.

Die Informatikerin Kappel kennt die sozialen Filter, Barrieren und Hürden, die es noch immer nachhaltig schaffen, Frauen den Weg in Technik und Naturwissenschaften zu versperren respektive sie systematisch zu desintegrieren. So sind heute bei den Studienanfängern 58,6 Prozent Frauen, davon studieren 69,8 Prozent geisteswissenschaftliche, aber nur 16,8 Prozent technisch-naturwissenschaftliche Fächer.

Die sozialen Schilder leiten Mädchen früh in traditionelle Bahnen. Was im Kindergarten Puppen, sind in der Schule einschlägige Rollenbilder in Büchern - und nicht zuletzt tut die lang gepriesene Koedukation, der gemeinsame Unterricht von Mädchen und Buben, ein Übriges.

K. o. für Koedukation

Neben einer "Neumischung des Fächerkanons" (Einbeziehung "angewandter Technik") plädiert Kappel dafür, Mädchen und Buben in bestimmten Fächern getrennt zu unterrichten. Dann sei es leichter, sich auf den Stoff und nicht auf Rollenverhalten zu konzentrieren: "Alle Studien beweisen, dass im technisch- naturwissenschaftlichen Bereich die Koedukation nur Nachteile für die Mädchen gebracht hat - sie hat die Mädchen hinausgekickt."

Ihr eigenes Beispiel sei symptomatisch: reine Mädchenklasse, aber auch die Förderung durch den Vater und der "Vorteil", dass 1978, als sie zu studieren begonnen hat, die Informatik noch Neuland und nicht rollenbehaftet war. "Die Mädchen haben keine oder falsche Vorbilder, die oft - genährt durch vermeintliche Tatsachen - zu Vorurteilen werden. Hauptpunkt ist aber die Nichtvereinbarkeit von Familie und Beruf", erklärt Kappel.

Spezielle Programme sollen jetzt die Schwellenangst zur Technik abbauen. So konnte durch das mittlerweile österreichweit laufende Projekt "FIT - Frauen in die Technik" der Frauenanteil an der Linzer TNF von elf Prozent im Sommersemester ’99 auf 25 Prozent im Wintersemester 2000 mehr als verdoppelt werden. Neben gezielter Information und Schnuppertagen werden auch Mentoring-Netze für Studentinnen geknüpft, um den oft unwirtlichen Alltag an einer männerdominierten Fakultät zu erleichtern. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 22. 5. 2001)

Von Lisa Nimmervoll

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www.tn.uni-linz.ac.at

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