Rauch-Kallat eröffnet Görg-Nachfolge-Debatte

21. Mai 2001, 21:45
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VP-Generalsekretärin denkt im STANDARD-Gespräch über einen "Generationen- wechsel" in Wien nach - Görg-Sprecher dementiert

Wien - ÖVP-Generalsekreträrin Maria Rauch-Kallat ordnet die interne Kommunikation in der Partei neu. Mit den Vorarbeiten wurde bereits begonnen. Sämtliche Landesparteileitungen, Teilorganisationen und Bezirksparteileitungen, sind schon online mit der VP- Zentrale in der Lichtenfelsgasse verbunden.

Nun werden auch alle Ortsparteileitungen an das neue Kommunikationssystem angeschlossen. Dies sei für den Nationalratswahlkampf 2003 nötig, erläutert Rauch-Kallat im Gespräch mit dem Standard ihre Vernetzungspläne. Ziel sei es, alle Wahlmitarbeiter online mit der Zentrale zu verbinden.

Verbesserter Kommunikationsfluss

Verbessert werden soll der Kommunikationsfluss zwischen den Bezirksparteileitungen und der Bundespartei. Im kommenden Jahre werden alle Bezirksparteileitungen zu Kommunikationstagen nach Wien eingeladen, wo direkt über die Arbeiter der Bundespartei informiert wird.

Mit dem Zustand der Landesorganisationen ist Rauch- Kallat im Großen und Ganzen zufrieden. Schwierigkeiten gebe es jedoch in Wien und in Kärnten. In Wien sei in "angemessener Frist" ein Generationenwechsel nötig: "Da geht es um den völligen Wiederaufbau der Partei." In Kärnten geht es um die Befriedung der Partei.

Görg-Sprecher dementiert

Die Ablöse des Wiener ÖVP-Landesparteichef Bernhard Görg sei derzeit nicht aktuell, erklärte hingegen sein Sprecher Daniel Kosak. "Es wird einen Generationswechsel geben, wenn der inhaltliche und organisatorische Neuaufbau der Wiener ÖVP in Richtung Oppositionspolitik abgeschlossen ist". Diese Entscheidung sei "aber im Moment nicht akut". Sie werde sicher nicht mehr in diesem Jahr getroffen, aber noch im Laufe dieser Legislaturperiode, sagte Kosak.

Eindeutig positioniert sich die ÖVP-Generalsekretärin in der parteiinternen Debatte über die Frage, ob die ÖVP sich als christlich-soziale oder als christlich-demokratische Partei definieren soll. Bei der Parteigründung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde bewusst auf die Etikettierung christlich-sozial verzichtet, um sich von der Zeit des Ständestaates, der vom politischen Katholizismus geprägt war, deutlich abgrenzen zu können.

Die Positionierung in Richtung christlich-sozial erfolgte zuletzt bei der Klubklausur in Linz durch ÖVP-Fraktionschef Andreas Khol. Rauch- Kallat: "Es gibt keine Rückkehr zum politischen Katholizismus. Bei der Klubklausur wurde lediglich zum Ausdruck gebracht, dass wir unsere Sozialkompetenzen stärker betonen wollen." (DER STANDARD Print-Ausgabe, 22. 5. 2001)

Von Katharina Krawagna-Pfeifer
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