American Graffiti gone Superproll

21. Mai 2001, 17:29
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A. wollte ins Kino. Sommerkino, sagte sie. Mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete. Schließlich war doch schon Sommer. Es war ein fauler, warmer, gemütlicher Tag - und A. machte sich über meinen beginnenden Sonnenbrand lustig. Da ist Kino Sommerkino: Ohne Wände also.

Blöd nur, dass Sommerkinos so flexibel sind, wie die Eis-Saison-Dogmen meiner Mutter (“nur in Monaten ohne R”): Krieau, Arena, St.Balbach? Rathausplatz? Nicht im Mai. Und auch der Augarten ist noch ohne Kino schön. Fragen Sie nicht, wer die Idee mit dem Autokino hatte. (A. sieht das anders.) Jedenfalls landeten wir in einer Welt, deren Existenz wir vergessen hatten.

Drei Leinwände. Kleine asphaltene Bodenwellen. Damit das Auto bergauf schaut, wenn der Sitz nach hinten geklappt wird. Lautsprecher- und Heizboxen zum In-die-Fenster-hängen. Obwohl der Ton der Filme längst auch per Platzradiosender übertragen wird. Tiefergelegt und plateaubeschuht

Und die Autos. Die Leute. Tiefergelegt, aufgemotzt, plateaubeschuht und tommybehilfigert. Mit offener Klappe (Heck-, nicht Mund) und voll aufgedrehtem Bass: “Mpa, Mpa, Mpa ...”. Dazu der Tritt aufs Gaspedal, wenn noch ein Vorstadtgesschoss mit “Roadrunner”- oder Jägermeisterschriftzug an den mit Nicht-auf der-Bodenwelle-aufsetz-Konzentration hügelwärts geparkten Artgenossen vorbeizog.

“American Graffiti gone Superproll”, sagte A. und zog mich ins Buffet. “Sozialaquarium” sagte sie dazu. Im Aquarium saßen ein paar traurige Mädchen. Im grellen Neonlicht über den Mayonaisebroten sahen sie mit ihren 17 oder 19 Jahren schon so verbraucht aus wie ihre Mütter daheim.

Der Ghettoblaster unter der Popcornmaschine machte “Mpa, Mpa, Mpa”. Die Buben mit den harten Augen und der weichen Haut auf Kinn und Wangen sprachen übers Rennautofahren zur “Fun Factory”. Und von der Polizei. Einer auch von denen, die eine Kurve nicht gepackt hatten. Den ließen die anderen alleine stehen.

Filmbeginn und alle setzten sich in ihre Autos. Bei nackter Haut und Gewalt, hupten sie. Eigentlich immer. Danach im Konvoi und schnell zurück in die Stadt. In die Fun Factoy. “Mpa, Mpa, Mpa ...” Der Film? Das war der Film.

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