Weltpremiere in Innsbruck: Transplantiertes Herz wieder eingesetzt

22. Mai 2001, 11:22
posten

Träger eines "Huckepackherzens" hatte Kurzschluss im Blutfluss erlitten

Innsbruck - Weltweit zum ersten Mal ist an der Universitätsklinik Innsbruck ein transplantiertes Herz reimplantiert worden. Nach Angaben vom Montag dem Patienten beide Herzen entfernt - das eigene und das vor 16 Jahren transplantierte - anschließend erfolgte die Reimplantation des Spenderherzens und die Verlagerung in die anatomische Position. Der achtstündige Eingriff sei problemlos verlaufen, dem Patient gehe es gut, hieß es.

Der 35-jährige Manfred P. litt vor 16 Jahren an einer zunehmenden Vergrößerung des Herzens und einer damit verbundenen kontinuierlich verringerten Pumpleistung (dilatative Cardiomyopathie). Unbehandelt führt diese Erkrankung zum Tod. Deshalb erhielt der Patient 1985 in einer heterotopen Transplantation ein zweites Herz ("Huckepackherz"). Dabei wurde P. ein zusätzliches, gesundes Spenderherz in die rechte Brusthöhle eingepflanzt.

Nach der vor 16 Jahren erfolgreich durchgeführten Herztransplantation entwickelte sich jetzt jedoch ein "Blutfluss-Kurzschluss", die Herzklappen des eigenen Herzens wurden zunehmend undicht, sodass das Blut ständig in die umgekehrte Richtung gepumpt wurde - im Kurzschluss durch das eigene Herz. Somit trat eine neue, akute Herzschwäche bei dem Patienten auf.

Operation ohne Komplikationen

Univ.-Prof. Günther Laufer, Vorstand der Abteilung für Herzchirurgie der Universität Innsbruck, und sein Team behandelten den Patienten mit der "weltweit noch nie durchgeführten Operationstechnik". Dabei wurden primär beide Herzen des Patienten, das "undichte" eigene Herz und das vor 16 Jahren transplantierte Spenderherz, also sein zweites Herz, entnommen. Das eigene Herz ohne Pumpfunktion und mit undichten Herzklappen wurde entfernt und das zweite Herz, also das Spenderherz, wurde an die anatomisch korrekte Position des vormals eigenen Herzens wieder rückimplantiert.

Der heute 35-Jährige lebte somit bis zu seinem 19. Lebensjahr mit einem, seinem eigenen Herzen, dann 16 Jahre mit zwei Herzen und jetzt wieder mit einem Spenderherz. "Da diese Operation weltweit noch nie durchgeführt wurde, haben wir selbstverständlich für ein entsprechendes Sicherheitsnetz für den Patienten vorgesorgt", erklärte Herzchirurg Laufer. Das bedeutet, dass diese aufwendige Reoperation erst dann vorgenommen wurde, als ein Organspender für den eventuellen Notfall, d.h. dem möglichen Versagen des umimplantierten "alten" Spenderherzens an der Innsbrucker Klinik zur Verfügung stand. Im Notfall hätte Manfred P. also ein neues Spenderherz sofort transplantiert bekommen.

Da die über acht Stunden dauernde Operation ohne Komplikationen verlaufen ist und das "alte" Spenderherz nach erfolgreicher Reimplantation voll funktionstüchtig ist, konnte mit dem "Stand-By" Herz einem weiteren Patienten durch Transplantation geholfen werden. Manfred P. gehe es nach dem Eingriff ausgezeichnet und er trainiere bereits im Spital fleißig am Fahrradergometer. (APA)

Share if you care.