Weltweite Zunahme der Quecksilber- Konzentrationen

21. Mai 2001, 15:06
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München - Wissenschafter haben am Montag in München vor einer weltweiten Zunahme der Quecksilberkonzentration in der Umwelt und in Nahrungsmitteln gewarnt. Grund dafür sei der Goldkleinbergbau in Afrika und Asien, bei dem Quecksilber zur Goldauswaschung angewendet werde und in hohen Konzentrationen über die Luft und die regionalen Flüsse in das Wasser gelange, sagte der Münchner Toxikologe Prof. Gustav Drasch.

Der Experte wies darauf hin, dass Seefische überhöhte Quecksilberkonzentrationen aufweisen könnten und forderte strikte Importkontrollen. Das Bundesinstitut für den gesundheitlichen Verbraucherschutz habe bereits im Mai 1999 eine detaillierte Empfehlung veröffentlicht und schwangeren Frauen vor dem Verzehr von See-Fischarten abgeraten. Dazu gehören unter anderem alle Haifischarten, Tunfisch, Aal, Schwertfisch und Barsch aus dem afrikanischen Victoriasee.

Christian Beinhoff von der Uno-Organisation für industrielle Entwicklung (UNIDO) in Wien erklärte, seit 1970 seien 5000 Tonnen Quecksilber in den brasilanischen Amazonasfluss gelangt. Ursache dafür sei der Goldrausch der siebziger Jahre und die Verseuchung bestimmter Regionen mit Quecksilber.

Ähnliche Umweltschäden seien zu befürchten, wenn die kleinen Goldbergwerkbetriebe in Asien und Afrika weiterhin unkontrolliert Quecksilber einsetzten. Blut- und Urinuntersuchungen hätten ergeben, dass in dem afrikanischen Staat Ghana die gesamte Bevölkerung mit Quecksilber in hohen Konzentrationen kontaminiert sei.

Neue Untersuchungen haben ergeben, dass Quecksilberkonzentrationen im Blut Symptome bei unterschiedlichen Werten auslösen. Deshalb sei es schwierig, Grenzwerte zu markieren, da die individuelle Empfindlichkeit ausschlaggebend sei, sagte Drasch. "Wir müssen noch klären, ob es tatsächlich einen unbedenklichen Grenzwert gibt." Untersuchungen an quecksilbervergifteten Patienten auf den Philippinen hätten gezeigt, dass die Folgeerscheinungen wie Zittern oder Bewegungsstörungen bei richtiger Behandlung gemindert werden konnten. (APA/dpa)

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