Deutscher Forscher geben keine BSE-Entwarnung

21. Mai 2001, 13:40
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"Test geben keine Sicherheit"

München - Bei der Rinderseuche BSE darf es nach Expertenansicht in Deutschland keine Entwarnung geben. "Die Tests bei Tieren sind sehr unzuverlässig", sagte Professor Andreas Stolle von der Ludwig-Maximilians-Universität München am Montag. Stolle kritisierte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Klaudia Martini (SPD), die am Wochenende Entwarnung gegeben hatte. "Ich halte das für überzogen und verfrüht", sagte der Lehrstuhlinhaber für Hygiene und Technologie der Lebensmittel tierischen Ursprungs.

Tests nicht sicher

Auch negativ getestetes Fleisch vor allem junger Tiere könne BSE-Erreger enthalten, warnte Stolle. Infizierte Tiere tragen die Erreger im Durchschnitt bereits Jahre vor Ausbruch der Krankheit in sich - in Mengen, die nicht unbedingt nachgewiesen werden können. In Deutschland sind BSE-Schnelltests an allen über 24 Monate alten Schlachtrindern vorgeschrieben.

Auch künftig wird es nach Einschätzung des Experten weitere BSE-Fälle bei Rindern in Deutschland geben - wenn auch weniger häufig. Bis zum Wochenende wurden 65 Fälle von Rinderwahnsinn bestätigt. Bei den bisherigen Sicherheitsvorkehrungen dürfe es keine Lockerungen geben, forderte der Wissenschafter. Das gelte insbesondere für das Tiermehlverbot in der Europäischen Union. Martini hatte eine Aufhebung des Verbots von Knochenmehl für Hühner, Schweine und andere Nicht-Wiederkäuer ins Gespräch gebracht.

Nur relativ große Sicherheit

Für die Verbraucher gebe es trotz allem "relativ große Sicherheit", dass sie Fleisch ohne BSE-Erreger erhalten. "Ich selbst esse Rindfleisch und meine Familie auch", versicherte Stolle. Fleischprodukte würden mit hohen Standards hergestellt. So werde das Rückenmark abgesaugt.

Doch auch in der Verarbeitungskette gebe es keine 100-prozentige Sicherheit. "Das Fleisch wird immer in kleine Stücke zerteilt", gab Stolle zu bedenken. Dabei könne es passieren, das potenziell infizierte Nervenpartikel in die Lebensmittel geraten. BSE-Erreger von Tieren gelten als Krankheitsursache für die neue Form der tödlichen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJD) beim Menschen. (APA/dpa)

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