Deutsche Wirtschaft: "Jetzt auszahlen ist Unfug"

21. Mai 2001, 13:48
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Wirtschaftsinitiative wehrt sich gegen Kritik aus den eigenen Reihen

Berlin - Die Initiative der deutschen Wirtschaft zur Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter hat die Kritik aus den eigenen Reihen an der ausbleibenden Auszahlung der Gelder zurückgewiesen. Sie sprach am Montag von Unfug und Effekthascherei. Der Sprecher der Wirtschafts-Initiative, Wolfgang Gibowski, bezog sich dabei in einem Rundfunk-Interview auf den Aufruf "Jetzt auszahlen", den der Kölner Unternehmer Wolfgang Müller initiiert hat.

Müller wisse "überhaupt nicht Bescheid", sagte Gibowski, und sei auch nur mit einem "Mini-Beitrag" der Initiative beigetreten. Alle 43 Unternehmen, die diesen Aufruf unterstützten, hätten zusammen nicht einmal ein Prozent der Gesamtsumme aufgebracht. Von diesen Unternehmen war die Wirtschafts-Initiative aufgefordert worden, ihren Widerstand gegen die Feststellung der ausreichenden Rechtssicherheit einzustellen. Dies ist eine Bedingung für die Auszahlung der Gelder. Die Wirtschafts-Initiative argumentiert aber, dass dafür weitere Klagen in den USA noch abgewiesen werden müssten.

"Völlig abwegig"

Die Kritiker der Wirtschafts-Initiative appellierten in einem offenen Brief an Bundeskanzler Gerhard Schröder: "Lassen Sie nicht länger zu, dass eine Hand voll von Unternehmen die Bundesregierung und den Deutschen Bundestag daran hindern, ihrer historischen Verantwortung nachzukommen." Der Wirtschafts-Initiative gehören insgesamt rund 6300 Unternehmen an.

Müller verlangte außerdem, dass die wegen der Verzögerung der Entschädigungszahlungen anfallenden Zinsen vollständig den Opfern zu Gute kommen sollen. "Völlig abwegig" nannte Gibowski die Berechnungen des IG-Metall-Chefs Klaus Zwickel, wonach täglich Zinserträge in Höhe von 700.000 Mark (357.904 Euro/4,92 Millionen Schilling) aus den bisher gesammelten Beiträgen auflaufen würden. Viele Firmen hätten ihren zugesagten Beitrag noch nicht eingezahlt. Wie viel Geld sich schon auf den Konten der Initiative befinde, wollte Gibowski nicht sagen. (APA/dpa)

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