"Kein Stein bleibt auf dem anderen"

23. Mai 2001, 23:43
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In der zweiten Langen Nacht der Museen soll Kunst "auf die Straße" - in Österreich und in Vaduz

Wien - "Kein Stein bleibt auf dem anderen" verspricht der Trailer des ORF zur zweiten "Langen Nacht der Museen". Was das Motto der Einen, ist der Horror der Anderen: KHM-Direktor Wilfried Seipel hofft zumindest, das dieser Slogan nur metaphorisch zu interpretieren sei. Er sieht die Chance, Schwellenängste vor allem beim jüngeren Publikum abzubauen und erinnert, dass "Museen eine gewaltige Bedeutung für unsere Selbstfindung sein könnten".

Mit dem Bus-Shuttle bis nach Liechtenstein

Und damit dies einmal so wird, organisiert der ORF dieses Jahr zum zweiten Mal, die "Lange Nacht der Museen". Das Ereignis, das im vergangenen Jahr mehr als 50.000 Besucher in Wien, Graz, Linz und Innsbruck angelockt hat wird nun auf alle Landeshauptstädte ausgeweitet. Aber nicht nur in Österreich schliessen die Museumspforten am 9. Juni erst eine Stunde nach Mitternacht, auch in Liechtensteins Hauptstadt Vaduz können Kunstbegeisterte die langen Öffnungszeiten ausnutzen. Zu diesem Zweck wurde in Bregenz ein eigener Busshuttle-Betrieb zum Nachbarn eingerichtet. Seipel regte sogar an, das erfolgreiche Konzept "Lange Nacht" zukünftig gar zu einem mitteleuropäischen Ereignis werden zu lassen.

"Vergnügliche" Zugänge zum Museum

Ziel der Inititiative sei es das "Museum für die Zukunft zu entdecken" betonte ORF-Generalintendant Gerhard Weis, bei der Präsentation. Mit einer Mischung aus Kunst und Kulinarik werde ein "vergnüglicher Zugang" geschaffen, eine "Verschränkung von Hochkultur und breitenwirksamer Programme", freute sich Weis. Ein Generalpass ermöglicht den Eintritt in beliebig viele Museen, die Benützung von Shuttle-Bussen sowie die Teilnahme an einem Gewinnspiel. Als Hauptpreis lockt ein Auto, zur Verfügung gestellt vom Hauptsponsor "Renault".

Lob vom Kulturstadtrat

Der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny lobte den ORF für dessen Initiative, denn dieses Angebot gehe "weit über den Kulturauftrag des ORF hinaus". Froh stimmt Mailath-Pokorny auch die Tatsache, dass die Lange Nacht der Museen Wien während der Festwochen stattfindet. So hätte Wien neben der Musik- und Theaterkomponente auch ein zusätzliches Angebot im Bereich der Bildende Kunst zu bieten.

Chance für die Kleinen

Die "Lange Nacht" ist vor allem für die vielen kleinen Museen, die "in der großen Berichterstattung sonst untergehen" (Seipel) eine Chance eine größere Öffentlichkeit zu erreichen. Ob die kleinen wie die großen Ausstellungshäuser sich allerdings freuen, wenn "Der ORF und der neue Renault Clio die Kunst auf die Strasse bringen", wie der Slogan des ORF-Spots verspricht, ist fraglich. Schliesslich sollte auch am 10. Juni die Kunst noch im Museum hängen und nicht auf der Straße. (kafe)

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