Peres verteidigt die Luftangriffe

21. Mai 2001, 13:08
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"Die Wurzel des Problems ist der Terrorismus"

Moskau - Israels Außenminister Shimon Peres hat die erneuten Angriffe israelischer Kampfhubschrauber auf den Gaza-Streifen verteidigt. Peres sagte am Montag in Moskau Reuters TV, Ziel der Angriffe seien jedoch keine Zivilisten gewesen. Bei den Angriffen in der Nacht zum Montag waren nach palästinensischen Angaben unter anderem eine Autowerkstatt und eine Bücherei getroffen worden. Nach israelischer Darstellung wurde eine Waffenfabrik angegriffen. "Wir würden niemals ein ziviles Ziel angreifen, niemals", sagte Peres, der sich derzeit zu Gesprächen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und anderen Regierungsvertretern in Moskau aufhält.

Peres bezeichnete den Einsatz von F-16-Kampfflugzeugen gegen palästinensische Ziele als Ausnahme. Dies werde sich nicht täglich wiederholen, fügte er hinzu. Israel hatte an Freitag erstmals Kampfflugzeuge gegen die Palästinenser eingesetzt und war damit international auf Kritik gestoßen.

In Israel rechnet eine große Mehrheit der Bevölkerung einer neuen Umfrage zufolge damit, dass die seit Monaten anhaltende Gewalt in der Region in einen umfassenden Krieg mit Beteiligung arabischer Nachbarstaaten eskalieren könnte. Die israelische Zeitung "Yediot Aharonot" veröffentlichte am Montag die Ergebnisse einer Umfrage des angesehenen Dachaf-Instituts, nach denen 69 Prozent der Befragten "sehr besorgt" über die Sicherheitslage im Land sind.

62 Prozent der Israelis hielten den Beschuss palästinensischer Ziele mit Kampfflugzeugen des Typs F-16 als Reaktion auf den blutigen Selbstmordanschlag in Netanya für angemessen. Gleichzeitig sprachen sich 61 Prozent der Befragten für einen umfassenden Siedlungsstopp in den Palästinensergebieten im Gegenzug für ein Ende der Gewalt aus.

Der gleiche Prozentsatz der Israelis geht davon aus, dass die Gewalt in naher Zukunft in einen umfassenden Krieg ausarten könnte. 79 Prozent der Befragten zeigten sich zuversichtlich, dass die israelische Öffentlichkeit den Kampf durchhalten kann, bis "eine für Israel akzeptable diplomatische Lösung erzielt wird". Die Umfrage basierte auf einer repräsentativen Stichprobe von 504 erwachsenen Israelis. Die Fehlermarge beträgt 4,5 Prozent.

Die Präsidenten mehrerer arabischer Handelskammern wollen wegen der israelischen Angriffe auf palästinensische Zivilisten die zweite Euro-Mittelmeer-Konferenz der Handelskammern boykottieren. Sollte Israel wie geplant an der Konferenz am 28. Mai in Barcelona teilnehmen, werden Ägypten, Marokko, Syrien, Libanon, Libyen und die Palästinenser keine Vertreter schicken.

Man versuche derzeit, auch Tunesien zum Boykott des Treffens zu bewegen, zitierten die halbamtlichen Kairoer Tageszeitungen am Montag Khaled Abu Ismail, den Vorsitzenden der Föderation der Ägyptischen Handelskammern. Er forderte die anderen arabischen Handelskammern außerdem zu einem Boykott israelischer Produkte auf.

Russland und USA sollen Gespräche vermitteln

"Die Wurzel des Problems ist der Terrorismus und nicht unsere Antwort", sagte Israels Außenminister Peres am Montag beim Besuch einer Synagoge in Moskau. Sein Land wolle den palästinensischen Terror beenden und die politischen Verhandlungen wieder aufnehmen. Peres würdigte auch die Vorschläge, die eine internationale Kommission unter Vorsitz des früheren US-Senators George Mitchell vorgelegt hat, um die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern zu beenden. Dies sei eine sehr gute Gelegenheit, die Friedensgespräche wieder in Gang zu setzen.

Der Friedensnobelpreisträger rief zugleich Russland und die USA als Schirmherren des Nahost-Friedensprozesses auf, direkte Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern zu vermitteln. Peres lud auch die Europäer ein, eine Rolle im Friedensprozess zu übernehmen.

Nach dem Besuch der Synagoge wollte Peres mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin konferieren. Auf dem Programm standen auch eine Begegnung mit seinem russischen Kollegen Igor Iwanow und Vizepremier Ilja Klebanow. Das russische Außenministerium hatte sich am Samstag tief besorgt über die andauernden Gewalt im Nahen Osten geäußert und die israelischen Angriffe als ungerechtfertigt und unangemessen bezeichnet. (APA/AP)

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