Erwürgt, erstochen, erdrosselt und erschossen

21. Mai 2001, 12:58
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Natürlich nur in Gedanken - Die deutschsprachige "Criminale 2001"

Mosbach - Die gute Nachricht: Es ist kein Mord geschehen an diesem Wochenende in Mosbach. Die noch bessere: In Gedanken, bei Lesungen, Diskussionen und Vorträgen, wurde erwürgt, erstochen, erdrosselt und erschossen, was das Zeug hält, und alle hatten ihren Spaß daran. Das gilt natürlich vor allem für die Akteure selbst: Gut 120 Krimi-Autoren aus dem deutschsprachigen Raum, die sich bis Sonntag für drei Tage zur "Criminale 2001" versammelten.

Das Syndikat: Schriftstellerisch tätig in Sachen Verbrechen

Ingrid Noll war da und Felix Huby, Petra Hammesfahr, Horst Bosetzky und natürlich Fred Breinersdorfer, der Mitte der 80er Jahre das "Syndikat" aus der Taufe hob. In dieser kriminellen Vereinigung, wie die Autoren selber sagen, kann Mitglied werden, wer schriftstellerisch tätig ist in Sachen Verbrechen. "Nicht einmal 20 waren wir beim ersten Mal", erinnert sich der 54-jährige Breinersdorfer, der am Samstag mit dem alljährlich vergebenen "Ehren-Glauser" für sein Lebenswerk geehrt wurde, dem nach einem berühmten Schweizer Krimiautor benannten Preis. Inzwischen zählt das Syndikat etwa 300 Mitglieder und organisiert damit rund 90 Prozent der deutschsprachigen Krimischriftsteller.

Das Syndikat als Selbsthilfeverein

"Die Renditeerwartungen des Verlags schweben wie ein Damoklesschwert über uns", bekennt Werner Matt, Lektor bei Heyne, bei einer Podiumsdiskussion unverblümt. Neue Autoren hätten es deshalb wirklich schwer. "Es wird zu viel Geld für sündhaft teure ausländische Lizenzen ausgegeben, selbst wenn die damit eingekauften Autoren drittklassig sind", kritisiert dagegen Breinersdorfer, inzwischen auch Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Schriftsteller. Er versteht das Syndikat auch als Selbsthilfeverein. In diesen Sinne gibt es in Mosbach interne Weiterbildungsveranstaltungen für die Autoren, zur Vertragsgestaltung beispielsweise, zum Thema Drehbuch oder über Präsentation im Internet.

Werden die Figuren zu sympathisch muss ein neuer Mörder her

Öffentlich und ausgesprochen publikumswirksam waren dagegen die gut 20 Lesungen. "Gemordet" wurde bei einer Weinprobe, in der Redaktion der "Rhein-Neckar-Zeitung", im nahen Wasserschloss Dallau, im Gefängnis oder im Kreiskrankenhaus. Und im Rathaus-Foyer boten die Promis der Zunft Einblick in ihre Arbeitsweise. Huby dagegen lässt seinen auch im ARD-"Tatort" ermittelnden Kommissar Bienzle freie Hand - so sehr, dass er manchmal mitten im Buch nach einer anderen, neuen Lösung suchen muss: "Wenn mir eine Figur zu sympathisch geworden ist, meistens sind es Frauen, kann die doch nicht am Ende die Mörderin sein." (APA/AP)

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