"Österreich mit seiner armseligen Filmförderung räumt jetzt drei Preise ab"

21. Mai 2001, 21:54
3 Postings

Das sollte den Finanzminister aufrütteln und ein Ansporn sein, meint Elfriede Jelinek

Wien - "Ich bin ja nur eine Nebenfigur, ich bin ja nur der Anlass." Bescheiden wehrt Elfriede Jelinek, am Morgen nach dem Preisregen für die Verfilmung ihres Romans "Die Klavierspielerin", Gratulationen ab. Doch ihre Freude ist riesengroß. Und den Erfolg des Filmes begoss sie noch gestern Abend ausgiebig mit Champagner. "Gestern war ich zu betrunken", lacht die Autorin, "daher habe ich erst heute früh Hanekes Handy-Nummer gefunden und ihm sofort gratuliert."

Wer sonst, wenn nicht Isabelle Huppert

Mit einem Darsteller-Preis habe man ein wenig spekuliert, gibt Jelinek zu: "Ich wüsste nicht, wer sonst den Preis für die beste Darstellerin bekommen hätte sollen, denn Isabelle Huppert ist derzeit vermutlich die großartigste europäische Schauspielerin. Aber Favoriten sterben bekanntlich besonders häufig. Besonders freuen mich die anderen beiden Preise, mit denen man nicht rechnen durfte. Benoit Magimel verdient die Auszeichnung vollkommen, es ist eine unglaublich schwierige Rolle, die er eindrucksvoll meistert."

Ein Händchen für Literaturverfilmungen

Jelinek, die aus persönlichen Gründen nicht nach Cannes kommen wollte, hatte bei den Dreharbeiten Haneke völlig freie Hand gelassen: "Ich bin ja eigentlich gegen Literaturverfilmungen, weil sie meist nicht gelingen. Das geht nur gut, wenn ein Regisseur etwas vollkommen Eigenes macht. In meinem Roman passiert alles aus Sprache, Haneke hat es in Bilder und Schauspielkunst umgesetzt. Er hat schon früher, etwa bei Kafkas "Schloss" bewiesen, dass er auch für Literaturverfilmungen eine wunderbare Hand hat."

Ich kann den Film nur schwer aushalten: Die Brutalität der Bilder geht mir sehr nahe"

Die Autorin hat Hanekes Verfilmung bereits gesehen, "allerdings nicht auf großer Leinwand, sondern im Rohschnitt auf kleinem Schirm, faktisch am Schneidetisch", meint aber, sie sei "die falsche Person, um über den Film Auskunft zu geben. Die Brutalität der Bilder geht mir sehr nahe. Ich kann den Film nur schwer aushalten, er hat ja sehr viel mit mir zu tun und trägt auch autobiografische Züge."

Triple-Sieg mit der Hoffnung auf Signalwirkung

Vom Triple-Sieg der "Klavierspielerin" erhofft sich Elfriede Jelinek Signalwirkung für die ganze österreichische Filmszene: "Wenn man sich vorstellt, dass Deutschland mit seiner riesigen Filmindustrie seit acht Jahren nicht mehr zum Wettbewerb eingeladen wurde, und das kleine Österreich mit seiner armseligen Filmförderung jetzt drei Preise abräumt: Das muss ja den Finanzminister aufrütteln. Das sollte für den Finanzminister ein Ansporn sein, mehr für die Filmförderung zu tun." Schließlich gäbe es in Österreich eine Vielzahl von hochbegabten Talenten: "Sie sollten endlich eine Chance bekommen und auch etwas verdienen können, nicht immer nahe bei Null herumkrebsen müssen." (APA)

Share if you care.