Musikindustrie teilt "Internet-Kuchen" auf

21. Mai 2001, 17:01
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Vivendi kauft MP3.com - Konkurrenten: Kaufpreis von 372 Mill. Dollar völlig überhöht

Kleine Startups und Privatleute haben für den Musikvertrieb im Internet den Grundstein gelegt und die nötige Technik entwickelt. Mit kostenlosen Musiktauschbörsen wie Napster , MP3.com oder Gnutella haben sie im Internet eine ganz neue Fankultur geschaffen und bewiesen, dass das weltweite Datennetz auch für die Musikbranche mehr ist als ein reines Marketinginstrument.

Große fressen die Kleinen

Nach langem Zögern und zahlreichen Prozessen wegen Urheberrechtsverletzungen gegen die Internet-Firmen setzen nun alle Großen der Branche auf die neuen digitalen Vertriebswege. Mit der Übernahme der Internet- Musikplattform MP3.com durch den französisch-kanadischen Vivendi gehört die vorerst letzte Auseinandersetzung vor Gericht mit einer der großen Tauschbörsen der Vergangenheit an.

5,85 Milliarden Schilling Kaufpreis

Der Konzern erhofft sich von dem Erwerb für 372 Mill. Dollar (425 Mill. Euro/5,85 Mrd. S) vor allem Unterstützung für seine eigene Großhandels-Musikplattform Duet, die Vivendi im Sommer im Internet starten will. Das börsennotierte Unternehmen eröffnet sich mit diesem Schritt aber auch erstmals direkten Zugang zu Endkunden. "Wir werden bei MP3.com sicherlich bald 40 Millionen Abonnenten und noch 2001 ein finanzielles Gleichgewicht erreichen", sagte Vivendi Universal-Chef Jean-Marie Messier der französischen Tageszeitung "Le Figaro" (Montagausgabe).

In Zukunft auch ganze Filme?

Der Kauf der Online-Musikplattform soll auch die digitale Zukunft des Unternehmens sichern. Die Technologie sei geeignet, künftig auch ganze Filme darüber zu vertreiben, hieß es. Aus den ehemaligen Feinden vor Gericht werden zur Entwicklung der technologischen Basis jetzt Geschäftspartner: MP3.com-Chef Michael Robertson soll künftig Vivendi-Chef Jean-Marie Messier in Sachen digitaler Distribution beraten.

Konkurrenz findet Kaufpreis überzogen

Die Konkurrenz reagierte auf die Ankündigung gelassen. Branchen- Experten gehen davon aus, dass der Kaufpreis in Höhe von 372 Mill. Dollar völlig überhöht und für andere Konzerne ohnehin nicht attraktiv gewesen sei. "Das lässt uns relativ kalt", kommentierte Frank Sarfeld von der Bertelsmann E-Commerce Group die Übernahme. "Im Gegensatz zu den registrierten Usern der Wettbewerber verfügt Bertelsmann über 55 Millionen direkte Kundenbeziehungen weltweit - Kunden, die regelmäßig bei uns einkaufen."

Ein ehemaliger Liebling der Börse

MP3.com zählte einst zu den ersten Internet-Lieblingen an der Wall Street. Im Juli 1999 verbuchte die Aktie noch einen Höchstkurs von 63,61 Dollar. Zahlreiche Rechtsstreitigkeiten mit führenden Plattenfirmen und hohe Vergleichszahlungen zwangen das Papier jedoch in die Knie. Am Montag legte der Kurs nach Bekanntgabe der Übernahme um mehr als 60 Prozent auf 4,88 Dollar zu. (APA/dpa)

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