Plastikjesus frei Haus

24. Mai 2001, 02:00
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Lukas Plums "o.k.-Versand" will bunte Alltags- gegenstände aus aller Welt unter die Leute bringen
Das Firmenwappen von Lukas Plum zeigt einen bulgarischen Seifenspender - und das kam so:

Als der junge Kölner Anfang der 80er-Jahre Ostdeutschland bereiste, um einen alten Onkel zu besuchen, entdeckte er wundersame Dinge, wie es sie im Westen nicht gab. Immer öfter reiste er fürderhin zu den seltsamen Ostläden, stets auf der Jagd nach "spannenden Sachen". Er brachte sie nach Hause in den Westen - zunächst nur für den privaten Gebrauch. Freunde und Bekannte fanden die skurrilen Dinge immer Klasse. Ob die russische Personenwaage oder den bulgarischen Seifenhalter - sie wollten immer alle auch so etwas haben.

1997 hat Plum aus seinem Faible ein Geschäft gemacht und den "o.k.-Versand" für den "Import außergewöhnlicher Alltagsgegenstände" gegründet. Eine ehemalige Apotheke wurde als Lager angemietet. Zum bulgarischen Seifenspender gesellten sich nach und nach Spülbürsten aus Mexiko, Gaspistolen aus der Ukraine, Emailschüsseln aus China, Schälchen aus Thailand, Wäscheklammern aus Indien, Markttaschen aus Guatemala, Teppichklopfer, Schlüsselanhänger, Handtuchhalter, Heiligenbilder - schließlich sogar ein fluoreszierender Jesus mit Saugnapf, Herkunftsland Mexiko, für zehn DM innerhalb von drei Tagen über den o.k.-Versand lieferbar, bestellt werden kann auch per Internet.

Der o.k-Katalog ist bunt und schrill. Das Sortiment ist kultverdächtig. Verschiedenste Trendgelüste werden hier bedient: Kitsch, Trash, Retro. Die Läden in Köln und neuerdings auch in Berlin, die Plum neben dem Versandgeschäft betreibt, sind voll mit Szenegängern. "Echt abgefahren, der Plastikteekessel aus Senegal", findet etwa ein Girlie mit Gucci-Brille und Badeschlapfen aus Plastik mit der orangegelben Blume zwischen den Zehen. Nach Hause geht sie mit dem Plastik-Kronleuchter aus Indien für 60 DM. Die Sache mit dem Kult trifft für Lukas Plum nicht den Nerv seines Geschäftes. Für ihn stellt sich die Angelegenheit so dar: "Ich will die Warenwelt kulturell ein bisschen vielfältiger machen."

Dabei ist der Mann kein Globetrotter, auch wenn das sein Versandkatalog suggeriert. Die Vorstellung vom Weltenbummler liegt nahe: Plum, der in die Welt hinauszog und auf langen, aufregenden Reisen durch Indien, Thailand, Südamerika abgefahrene Sachen in seinen Tramperrucksack zusammenpackt. Plum muss lachen: "Damit würde sich keine müde Mark verdienen lassen." Drei Länder hat er bislang selbst bereist, um mit einem LKW voller Sachen nach Köln zurückzukehren: Bulgarien, die Ukraine und Weißrussland. Doch schnell hat der heute 38-Jährige begriffen, dass sich seine Versandidee nur mit einem Netz aus Mitarbeitern verwirklichen lässt. Er arbeitet heute mit Zwischenhändlern in Holland und Frankreich zusammen, die unter anderem auch für ihn die ungewöhnlichen Fundstücke importieren.

Obwohl sich der Zahnbürstenhalter aus China mittlerweile zum Dauerbrenner entwickelt hat, ist das Versandgeschäft hart. Alles kostet Geld, die Kataloge, der Versand - und so ein Zahnbürstenhalter kostet nun einmal nicht mehr als drei Mark. Gegen die Pakete, die ab und zu an ihn zurückgeschickt werden, hat er sich erst einmal abgesichert. "Bitte beachten Sie", steht im Katalog, "dass alle Artikel aus Herkunftsländern kommen, die andere Qualitätsvorstellungen hegen!" Das Gütesiegel o.k.-tested garantiert, dass die Qualität auch nach zehn Jahren nicht besser wird. Wer also o.k.-Ware aus Qualitätsgründen zurückschickt, hat etwas Grundsätzliches missverstanden.

(Mia Eidlhuber )

--> Ansichtssache

o.k.-Versand Lukas Plum
Gladbacher Straße 36
D-50672 Köln
Tel.: 0049/221/952 50 15

Alte Schönhauser Str. 36/37
D-Berlin-Mitte
Tel/Fax: +49/030/246 38 746
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