Ditz ist unersetzlich - von Michael Moravec

20. Mai 2001, 20:13
posten
Walter Rothensteiner, Helmut Elsner und Gerhard Randa haben einiges gemeinsam. Sie leiten mit Raiffeisen Zentralbank, Bawag und Bank Austria drei ziemlich erfolgreiche Geldinstitute. Und sie gehen mit dem ihnen anvertrauten Vermögen sorgsam um. Undenkbar, dass etwa ein leitender Mitarbeiter - ohne triftige Gründe - öffentlich an die Luft gesetzt würde und erst dann mühevoll ein Nachfolger gesucht werden müsste. Eine weitere Gemeinsamkeit: Die drei Banker sitzen auch im Aufsichtsrat der Austrian Airlines. Dort wird aber zumindest von Aufsichtsratspräsident und Verstaatlichtenchef Johannes Ditz genau das von ihnen erwartet: die zwei AUA-Vorstände zu feuern, obwohl als einziger Grund eine "Verjüngung" des Vorstandes genannt wurde und kein Nachfolger bereitsteht. Es wird spannend, wie sie abstimmen.

Ditz hat als Vertreter des Staates, der etwas mehr als ein Drittel an der AUA hält, so getan, als gehöre ihm die gesamte Airline. Ohne Aufsichtsratsbeschluss hat er in einer Pressekonferenz die Ablöse der AUA-Chefs einfach bekannt gegeben.

Wenn sich Finanzminister Karl-Heinz Grasser wieder einmal wundert, warum internationale Investoren die Wiener Börse meiden, sollte er auch seinen ÖIAG-Manager Ditz fragen. Denn im Bereich der ÖIAG wurde in den vergangenen Monaten alles getan, um große internationale Fonds ausdauernd und professionell zu verschrecken. Doch nicht nur die Fonds wenden sich mit Schaudern ab. Auch Spitzenmanager sind nicht einmal mit höchsten Gagenversprechen in die ÖIAG zu locken. Es wird interessant, wer sich den Schleudersitz im AUA-Vorstand antut. Johannes Ditz kann ruhig schlafen: Er kann nur schwer gefeuert werden. Egal was er tut, er ist nicht ersetzbar - denn ein ernst zu nehmender Nachfolger wird sich kaum noch finden.

Share if you care.