Hamas, Produkt der ersten Intifada

20. Mai 2001, 19:26
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Annäherung zwischen Arafat und Islamisten von kurzer Dauer

Jerusalem - Das Video für die Nachwelt: Mahmud Ahmed Marmash, 21, gerahmt von den grünen Flaggen der Hamas und dem Sturmgewehr, erklärt seine Tat in Netanya. "Ich werde meinen Körper zu einer Bombe machen, die die Körper der Zionisten, der Söhne von Affen und Schweinen, in die Luft sprengt." Marmash gehörte zum militärischen Arm der Hamas, der Izzeddin-al-Qassem-Brigade, die für zahlreiche Anschläge gegen Israel verantwortlich zeichnet (der Namenspatron war Gründer der "Schwarzen Hand", die bis zu seiner Liquidierung 1935 Angriffe gegen die britischen Mandatsherren durchführte).

Hamas, "Eifer", ist eine Verkürzung von "Harakat al-muqawama al-islamiya" (Bewegung des islamischen Widerstands). Sie ist ein Nebenprodukt der Intifada ab 1987; den Israelis kam sie damals als Konkurrenz zur verhassten PLO von Yassir Arafat nicht ganz unrecht. Wie weit Israel die Hamas unterstützte und instrumentalisierte oder ob sie sogar eine "Erfindung" Israels war - wie säkulare arabische Quellen behaupten -, bleibt im Detail aufzuarbeiten.

Daran, dass Arafat die islamischen Gruppen Hamas und Jihad völlig unter Kontrolle hat, glaubt auch in Israel niemand wirklich. Zu Beginn der zweiten Intifada vorigen Herbst näherten sich die Positionen Arafats und der islamischen Extremisten an, Arafat öffnete die Gefängnisse und lud die Führung der Islamisten zu Lagebesprechungen ein - sie waren ein Ass in seinem Ärmel. Die Flitterwochen gelten aber als beendet: Nach Tötung des Jihad-Manns Iyyad Hardan durch die Israelis im April wurde Arafat bei Demonstrationen als "Verräter" gebrandmarkt. Am Tag vor der Exekution hatte ein Sicherheitstreffen zwischen Israelis und Palästinensern stattgefunden, dabei soll Hardan den Israelis "verkauft" worden sein. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. Mai 2001)

Von Gudrun Harrer
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