MSCI-Umstellung für Weltbörsen ohne große Überraschungen

21. Mai 2001, 14:57
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VA Stahl nach Index-Aufnahme deutlich fester - Tokioter Börse trotz schwächerer Gewichtung deutlich im Plus

Wien - Internationale und heimische Analysten sehen keine wesentlichen Impulse von den am Samstag veröffentlichten neuen Gewichtungen der Indexfamilie von Morgan Stanley Capital International (MSCI). Die Änderungen seien im Rahmen der Markterwartungen ausgefallen, so der Grundtenor der Experten.

Größere Bewegungen wurden lediglich auf der Ebene einzelner Aktien verzeichnet. So konnte an der Wiener Börse die Aktie der VA Stahl heute nach der Aufnahme in den MSCI-Österreich-Index stark zulegen. Um 14:00 Uhr notierten VA Stahl mit einem Kursplus von 2,92 Prozent bei 33,45 Euro.

Generell reagierten die Leitbörsen aber kaum auf die Indexneugewichtungen. Die Tokioter Börse, deren Gewichtung von 10,71 auf 9,38 Prozent zurückgefahren wurde, konnte am Montag sogar Terrain gut machen. Der Nikkei-Index schloss mit einem Kursplus von 2,15 Prozent.

Keine großen Überraschungen

Die Creditanstalt (CA) führt die Gewinne in einer aktuellen Analyse darauf zurück, dass die Neuberechnung der Indizes keine großen Überraschungen enthielt und Japan teilweise weniger stark verlor als noch vor kurzem angenommen. Damit sollten nach Einschätzung der CA auch die Abflüsse aus dem Inselstaat - im Vorfeld sei mit Kapitalabzügen von rund 200 Mrd. US-Dollar (228 Mrd. Euro/3,136 Mrd. S) gerechnet worden - geringer ausfallen, als vermutet.

Sektorenmäßig dürften in Japan jene Branchen am stärksten leiden, wo traditionell starke Überkreuzbeteiligungen bestehen. Hier nennt die CA vor allem Autoproduzenten wie Toyota und Honda, aber auch Takeda Chemical oder Japan Tobacco. Im Bankensektor würden Mizuho Holdings, Mitsubishi Tokyo Financial Group und Sumitomo Banking Corp. verlieren, die neu gegründete viertgrößte Bank Japans UFJ Holdings hingegen sollte profitieren. Die schwächere Gewichtung der genannten Werte im MSCI-Index sei jedoch teilweise schon antizipiert, viele Aktien seien damit jetzt auf günstigem Bewertungsniveau.

Auch Morgan Stanley sieht keine Veränderungen

Auch die Analysten von Morgan Stanley sehen keinen großen Einfluss von der MSCI-Neugewichtung. Die Berechnungsänderung sei bereits vor einem Jahr angekündigt und im Dezember 2000 bestätigt worden. Es hätten weltweit nur jene Aktien reagiert, die sich durch die Berechnung ihres Streubesitzes Hoffnung auf einen Eintritt in den Index machten, diesen aber verpasst hatten. So wurden von einigen Analysten die französische Orange und die deutsche Commerzbank bevorzugt. Dennoch stiegen, für viele überraschend, die australische John Fairfax Holding und die japanische UFJ Holding in den Provisional-Index auf.

Calvin Ho, Chef des MSCI-Asia-Research, bemerkte einen leichten Umsatzanstieg innerhalb der letzten Tage, die Gewichtungsanpassungen der Fonds-Manager seien aber weitgehend vorweggenommen. Auch Todd Kennedy von Merrill Lynch sieht keine großen Kursausschläge, die auf die MSCI-Änderung zurückzuführen sind. (APA/vwd)

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