Siemens: Mehr Verkehr für Austria

20. Mai 2001, 19:54
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SGP Verkehrstechnik wird aufgewertet

Wien - Mit dem kürzlich eingefahrenen Milliardenauftrag aus Großbritannien fahren SGP und Siemens Verkehrstechnik in Österreich nicht nur eine gute Auslastung für die nächsten Jahre ein, sondern auch eine Aufwertung innerhalb des deutschen Elektronikkonzerns. "Wir verfolgen eine Wenige-Standorte-Strategie und verlagern mehr Kompetenzen nach Österreich", stellte Hans M. Schabert, Mitglied des Bereichsvorstandes Verkehrstechnik, im Gespräch mit dem STANDARD in Aussicht.

Konkret soll in Wien mehr "elektrotechnische Kompetenz angesiedelt werden, um die Dominanz von der Mechanik auszugleichen", führte Schabert aus. Auch die Vertriebskompetenz soll ausgebaut werden, Details nannte er jedoch nicht. Wie berichtet, hat der deutsche Elektronikkonzern vom britischen Bahnunternehmen Stagecoach einen Auftrag von 2,5 Mrd. Euro (34,3 Mrd. S) zur Lieferung und Wartung von bis zu 1200 elektrischen Zugwagen der Type Desiro erhalten. Die österreichischen Auftragsbücher werden mit 4,7 Mrd. S mehr als gut gefüllt.

Kein Personalzuwachs

Zu einer Aufstockung der rund 1800 Beschäftigten wird es jedoch nicht kommen. Temporäre Aufnahmen könne es aber geben, meinte Schabert. "Wichtig ist, dass in allen Fertigungsstätten eine dauerhafte Auslastung gegeben ist." Dazu würde zwischen den beiden Fahrzeugwerken Graz und Uerdingen - Letzteres wurde im Vorjahr mit Düsseldorf zusammengeführt - je nach Finanzierungsmöglichkeiten gefloatet. Auch Verkehrstechnikvorstand Herbert Steffen will den aktuellen Auftragsbestand von rund neun Mrd. EURO "mit kaum verändertem Personalbestand bewältigen".

Insgesamt rechnet die Verkehrstechnik im laufenden Geschäftsjahr (30. September) mit einem stagnierenden Umsatz, will beim Auftragseingang aber den französischen Konkurrenten Alstom vom zweiten Rang auf dem Weltmarkt verdrängen. "Es ist unser Ziel, noch in diesem Geschäftsjahr die Nummer zwei beim Auftragseingang zu werden", sagte Steffen.

Quantensprung

Das selbstgesteckte Ziel sei durchaus erreichbar, sagte Steffen, der im laufenden Quartal einen "wahren Quantensprung" beim Auftragseingang erwartet. Mit einer operativen Marge von 4,1 Prozent im ersten Halbjahr sei die Verkehrstechnik auf gutem Wege, mittelfristig ein Ziel von fünf bis sieben Prozent Ebita-Marge zu erreichen. Umsatzmäßig spürbar würde der gestiegene Auftragseingang allerdings erst im kommenden Geschäftsjahr. Heuer rechne man mit einem stagnierenden Umsatz, im Vorjahr war dieser um 33 Prozent auf vier Milliarden Euro (55,04 Mrd. S) gestiegen. Im ersten Halbjahr 2000/2001 stieg der Umsatz um acht Prozent auf 1,9 Mrd. EURO.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen konnte im ersten Quartal mit 38 Mio. EURO in den schwarzen Bereich zurückgeführt werden. Mit einem Auftragseingang von 1,6 Mrd. EURO im abgelaufenen Quartal stehen die Siemens Transportation Systems auf dem Weltmarkt noch an dritter Stelle hinter der kanadischen Bombardier/Adtranz und Alstom.

(Luise Ungerboeck, Der Standard, Printausabe, 21.05.2001)

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