Handytechnologie für China

20. Mai 2001, 20:27
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Steirischer Leiterplattenhersteller AT&S will bis zu sechs Milliarden Schilling investieren

Schanghai - Der österreichische Leiterplattenhersteller AT&S will bis zu sechs Mrd. S (436 Mio. EURO) in China investieren, wenn die Nachfrage dies zulässt. Das sagte AT&S-Vorstandsvorsitzender Willi Dörflinger anlässlich der Grundsteinlegung für ein neues AT&S-Werk in Schanghai. Bereits für die nun eingeleitete erste Investitionsphase gibt das steirische Unternehmen rund 145 Mio. EURO (knapp zwei Mrd. S) aus.

Für dieses Geld wird in den nächsten zwölf Monaten ein "Klon" des Stammwerks in Leoben-Hinterberg im Süden der Wirtschaftsmetropole neu errichtet.

In dem neuen Werk sollen ab Mitte 2002 moderne HDI-Microvia-Platten für die Handyindustrie produziert werden. Die Technologie erlaubt eine hohe Dichte von Verbindungspunkten auf den Leiterplatten und damit die Herstellung besonders kleiner Mobiltelefone.

Ist 2004 der Vollausbau des Werks erreicht, werden in der Fabrik 750 Menschen Arbeit finden. Den Planungen entsprechend sollen zu diesem Zeitpunkt bereits schwarze Zahlen geschrieben werden. Der projektierte Umsatz von knapp zwei Mrd. S soll etwa ein Fünftel des Planumsatzes in diesem Jahr ausmachen.

"Wir planen aber auch eine zweite und dritte Phase, die Investitionssumme könnte auf 400 bis 500 Mio. EURO ansteigen", sagte Dörflinger. Aus diesem Grund sei auch genügend Boden für ein zweites und drittes Gebäude angemietet worden. Das Grundstück, auf dem AT&S baue, sei mehr als zwölf Hektar groß. Es bietet Platz für ein zweites und drittes Produktionsgebäude.

Expansion

Voraussetzung für eine solche starke Expansion ist freilich, dass der chinesische Handymarkt weiter so rasant zulegt wie bisher. Monatlich kommen in China rund 2,6 Mio. neue Handynutzer hinzu. Die derzeit 100 Mio. chinesischen Mobiltelefonnutzer bedeuten eine noch vergleichsweise geringe Marktdurchdringung von unter zehn Prozent.

Hauptkunden

Die beiden Hauptkunden von AT&S-Leiterplatten - Nokia und Siemens - produzieren beide bereits im Reich der Mitte. Fabriken der beiden Handyhersteller arbeiten in geringer Entfernung des AT&S-Standortes. Auch die in den Markt drängenden lokalen Hersteller von Mobiltelefonen will man künftig mit Boards aus Schanghai versorgen, sagte Dörflinger.

Die Finanzierung der ersten Investitionsphase soll laut AT&S-Finanzvorstand Harald Sommerer jeweils zur Hälfte aus dem Cashflow sowie aus Fremdmitteln erfolgen - wodurch sich die Nettoverschuldung von derzeit 40 auf 120 Mio. EURO erhöhen wird. Mit Nokia und Siemens lägen für China derzeit zwar noch keine "Verträge", wohl aber "Partnerschaftsvereinbarungen" vor.

Anders als viele andere ausländische Investoren in der Volksrepublik muss AT&S Schanghai keine feste Exportmindestquote erbringen und kann daher ausschließlich für den chinesischen Markt produzieren.

Zu Schulungszwecken sollen in den nächsten Monaten 80 bis 100 Chinesen nach Leoben-Hinterberg geholt werden, umgekehrt werden 30 österreichische AT&S-Mitarbeiter in das Projekt in Schanghai eingebunden. (APA/plo, Der Standard, Printausgabe, 21.05.2001)

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