Küche als Kommandozentrale

20. Mai 2001, 20:09
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Electrolux startet in Italien Pilotprojekt mit voll vernetztem Haushalt

Der schwedische Haushaltsgerätemulti Electrolux startete in Italien ein groß angelegtes Pilotprojekt mit voll vernetzten Küchen.

Zwischen Mailand und Neapel werden rund fünfzig Familien einen Prototypen einer "Kommandozentrale" für den Haushalt testen. Die Geräte werden unter der Marke "Rex" aufgestellt, der nationalen Marke der Electrolux-Tochter Zanussi.

Herzstück ist eine Steuereinheit, die einen ausklappbaren LCD-Schirm sowie eine Fernbedienung hat. Per Funk verbunden kann auch eine Computertastatur werden. Hier laufen die Informationen und Steuerdaten von Haushaltsgeräten wie dem Herd, dem Geschirrspüler, der Waschmaschine zusammen. Sie können programmiert und überwacht werden, der Status jedes Geräts ist jederzeit ersichtlich ("Achtung, die Kühlschranktüre ist offen").

Abrufbar

Weiters kann man Hinweise und Vorschläge für das Waschen von feiner Wolle oder für das richtige Braten von Lammfleisch aus dem System abrufen. Integriert sind auch CD- und DVD-Player.

Das System - "Live-In" genannt - ist an sich offen auch für Nicht-Electrolux-Geräte. Als Zielpreis für die Steuereinheit werden - noch inoffiziell - mittelfristig rund 2000 EURO (27.520 Schilling) genannt. Das teuerste Teil ist noch der LCD-Schirm. Electrolux überlegt im Hintergrund, den Bau der Steuerzentrale eventuell an einen TV-Gerätehersteller auszulagern, um die Produktionskosten zu drücken. Zunächst will man aber die Ergebnisse des sechs Monte dauernden Tests in Italien abwarten.

Ein ähnliches System wurde vom STANDARD bereits beschrieben, nämlich "Miele@home" des deutschen Konkurrenten von Electrolux. Die Schweden setzten allerdings mit ihrem "Screenfridge", einem vernetzten Kühlschrank mit Internet-und/oder Serveranschluss, die ersten Schritte in Richtung Massenware.

"Viele arbeiten jetzt daran, die Küchen zu vernetzen", so Electrolux-Sprecher Tom Wells, "im März auf der Domotechnica (wichtigste europäische Haushaltswarenmesse in Köln, Anm.) haben wir schon auf jedem Stand einen Kühlschrank mit Bildschirm gesehen."

Der Marktstart des Electrolux-Screenfridge verzögert sich, doch binnen zwölf Monaten dürfte es so weit sein. In Mailand präsentiert wurde auch die Professional-Version für Großküchen, mittels der das Bestellwesen der im Kühlschrank gelagerten Nahrungsmittel automatisiert werden kann.

Genug Tomaten?

Der Kühlschrank erkennt, ob etwa für die Bedürfnisse der Großküche genug Tomaten eingelagert sind, wann sie gekauft wurden, welche zuerst verwendet werden sollten und wie viele per Mail beim Lieferanten nachgeordert werden müssen.(STANDARD-Redakteur Leo Szemeliker aus Mailand, Der Standard, Printausgabe, 21.05.2001)

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