Chaos um AUA: Ditz muss sich anschnallen

20. Mai 2001, 20:16
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Ditz gibt Post-Aufsichtsratsvorsitz ab - FP-Flügelkämpfe um Vorstandskandidat Michaelis

Wien - Der Unmut bei FPÖ-Politikern und ÖIAG über deren Noch-Alleinvorstand Johannes Ditz wächst. Ob der ehemalige Wirtschaftsminister auch nach der Aufsichtsratssitzung am 25. Mai ÖIAG-Sprecher sein wird, ist mehr als ungewiss, heißt es in gut informierten Kreisen. Der Showdown in der Wiener Kantgasse, dem Sitz der Verstaatlichtenholding, habe bereits begonnen.

Zum Verhängnis könnte Ditz die öffentliche Abberufung der beiden AUA-Vorstände Herbert Bammer und Mario Rehulka werden, für die es keinen Aufsichtsratsbeschluss gibt. Und ob ein solcher überhaupt zustande kommt, ist mittlerweile mehr als fraglich. Denn selbst im AUA-Aufsichtsratspräsidium, in dem neben Ditz Alfred Ötsch (Siemens), Herbert Koch (Kika-Leiner) und Erhard Schaschl (Ex-Wienerberger-Chef) vertreten sind, soll Ditz vor der vorzeitigen Abberufung der AUA-Chefs gewarnt worden sein.

Unmut wächst

Die Banker Gerhard Randa (Bank Austria), Walter Rothensteiner (Raiffeisen) und Helmut Elsner (Bawag) wiederum wollen dem Vernehmen nach von Ditzens Plänen überrascht worden sein. Um die Ablöse von Bammer und Rehulka durchzuboxen, sind deren Stimmen aber unabdingbar, denn die ÖIAG ist mit 39,7 Prozent lediglich Minderheitsaktionär der AUA.

Sollte also Ditz beim AUA-Aufsichtsrat am 27. Juni keine Mehrheit für sein Vorhaben bekommen, könnte ihn dasselbe Schicksal ereilen wie seinen Vorgänger Rudolf Streicher, orakelt ein Insider. Streicher war im Vorjahr gescheitert, als er den damaligen Tyrolean-Boss Fritz Feitl ins AUA-Cockpit hieven wollte.

Der AUA-Betriebsrat, der im November des Vorjahres durch seinen Auszug aus dem Aufsichtsrat die Installierung von Feitl vereitelte, ist für die Sitzung Ende Juni gerüstet: "Fasten your seat belts", lautet die Devise der Personalvertreter, die Ditz damit den Kampf signalisieren.

Mehr als unzufrieden ist aber auch die zweite Führungsebene der AUA, der vom derzeitigen Vorstand nahe gelegt wurde, sich an einer eventuellen Ausschreibung der Vorstandsjobs zu beteiligen. AUA-Chefpilot Walter Bock sagte zum STANDARD: "Ich denke nicht daran, mit einem Minderheitseigentümer ÖIAG zusammenzuarbeiten. Ich möchte mit den Machenschaften dieser Truppe nichts zu tun haben." Verwirrung herrschte am Wochenende über die Vorgänge in der gelben Post, wo die ÖIAG im Aufsichtsrat ihr "Austauschprogramm" fortsetzte.

Die Post geht ab

Aufsichtsratsmitglieder bestätigten dem STANDARD, dass der auf seine Bestellung wartende ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis den Post-Aufsichtsratsvorsitz übernehmen werde. Michaelis, der Ex-ÖIAG-Chef Rudolf Streicher ersetzt, war bei der Sitzung aber nicht anwesend, er werde seine Funktion daher erst im Juli antreten. Bis dahin bleibe der ehemalige Post-Finanzvorstand Ditz Aufsichtsratspräsident. Neu in das gelbe Kontrollgremium gewählt wurden in der Hauptversammlung am Freitag P.S.K.-Vorstand Karl Stoss (statt Josef Sindelka) und der Computerprofi Dieter Bock, der statt Postbus-Finanzfrau Wilhelmine Goldmann einzieht. Bock war Mitte der Neunzigerjahre im Vorstand des IT-Resellers Computer 2000 für EDV, Logistik und Beschaffung zuständig.

Die innerhalb der FPÖ tobenden Flügelkämpfe wird jedenfalls Michaelis, sollte er bestellt werden, zu spüren bekommen. Die Gesinnungsgenossen von Wirtschaftssprecher Thomas Prinzhorn wettern gegen ihn und drohen der Rest-FP, die industriellen Geldquellen auszutrocknen, verlautet aus FP-Kreisen. Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer und Noch-Bundesgeschäftsführer Gilbert Trattner hingegen wollen den Mannesmann-Manager als Widerpart zu Ditz installieren.

(Claudia Ruff, Luise Ungerboeck, Der Standard, Printausgabe, 21.05.2001)


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