OMV schreitet in Richtung Polen

20. Mai 2001, 19:03
posten

Hauptversammlung genehmigt Kapitalerhöhung für mögliche Beteiligung an PKN Orlen

Wien - Die OMV kommt diese Woche bei ihren Plänen für eine Ostexpansion einen großen Schritt weiter. Der Öl- und Gaskonzern lässt sich bei der Hauptversammlung am Mittwoch eine Kapitalerhöhung genehmigen, mit der die zum Verkauf stehende 18-Prozent-Beteiligung der Republik Polen an der Ölgesellschaft PKN Orlen finanziert werden könnte. Das bestätigte OMV-Vizechef Wolfgang Ruttenstorfer dem STANDARD. Über die Höhe des genehmigten Kapitals wollte er nichts sagen, es sollte aber ausreichen, um den PKN-Anteil zu erwerben, der zum jetzigen Börsenkurs einen Marktwert von rund 5,5 Mrd. S (400 Mio. EURO) hat. Mit einer solchen Genehmigung durch die HV in der Hand kann der Aufsichtsrat jederzeit eine Kapitalerhöhung beschließen.

Einzige Kandidat

Ruttenstorfer betonte zwar, dass es noch zahlreiche andere Interessenten für die polnische Beteiligung gebe und man noch weit von einem Abschluss entfernt sei. Doch nach Informationen der Financial Times aus Warschau ist die OMV der einzige ernsthafte Kandidat für die PKN-Privatisierung. Die ungarische Mol sei zwar strategisch interessiert, habe aber nicht die nötigen Mittel zum Kauf. Sollten sich Polen und die OMV in den nächsten Monaten nicht über Preis und Modalitäten einigen können, dann würde der Anteil laut Financial Times nicht verkauft werden.

Schon vor einem Monat hatte eine polnische Zeitung über das Interesse der OMV an der PKN berichtet, doch war damals von einem Aktientausch zwischen den beiden Gesellschaften die Rede. Dieser Plan wurde inzwischen verworfen, vor allem, weil die polnische Regierung angesichts wachsender wirtschaftlicher Probleme dringend Geld braucht.

Eine Beteiligung an der PKN, die mittelfristig wahrscheinlich über 18 Prozent hinauswachsen würde, wäre für die OMV ein Schritt in Richtung einer mitteleuropäischen Erdölallianz, zu der auch die Mol gehören sollte. An ihr ist die OMV mit zehn Prozent beteiligt, die Ungarn haben aber bisher keinerlei Kooperationsbereitschaft gezeigt. Vor einem Jahr hat die OMV das Rennen um die Kontrolle über die slowakische Raffinerie Slovnaft verloren. Die Suche nach einer sinnvollen Zentraleuropa-Strategie haben die Österreicher aber noch nicht aufgegeben.

Sollte die OMV jedoch in Zukunft die Chance haben, ihre Beteiligungen an der Mol aufzustocken, könnte sie zur Finanzierung einen Teil der gerade erst ausgegliederten Gasgesellschaft an einen ausländischen Partner verkaufen, verlautete aus Industriekreisen. Nachdem die Verhandlungen mit der deutschen E.On über eine Gasallianz gescheitert sind, sei nun die italienische Eni der aussichtsreichste Kandidat, hieß es.

Der rasante Anstieg der OMV-Aktie in den vergangenen Tagen, der vom Markt vor allem auf die guten Quartalszahlen und einen vielversprechenden Ölfund in Libyen zurückgeführt worden ist, könnte auch mit den verbesserten Aussichten in Polen zusammenhängen. Das Fehlen einer klaren Oststrategie hat die Aktie monatelang geschwächt. Seit Jahresbeginn ist die OMV aber um rund 40 Prozent gestiegen, allein seit Anfang Mai um 21 Prozent.

Bei der Hauptversammlung am Mittwoch sollen auch - wie DER STANDARD berichtet hat - einige SP-nahe Aufsichtsratsmitglieder, darunter René Alfons Haiden und Richard Leutner vom ÖGB ausgetauscht werden. Der scheidende ÖBB-Chef Helmut Draxler, auch ein Sozialdemokrat, sollte aber im Aufsichtsrat bleiben, verlautete aus Unternehmenskreisen. Als ebenso unwahrscheinlich wird dort gesehen, dass die Nachfolge von OMV-Chef Richard Schenz durch Ruttenstorfer noch einmal infrage gestellt wird. Dies hat am Wochenende das Nachrichtenmagazin profil berichtet.(Eric Frey, Der Standard, Printausgabe, 21.05.2001)

Share if you care.