Golf: Die Vita des Tigers liegt im Kopiergerät

20. Mai 2001, 21:31
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Mr Woods gewann die Deutsche-Bank-SAP-Open, sein Lebenslauf wird schon tausendfach kopiert

Golfspieler sind wie Menschen. Sie werden immer älter. Zum Beispiel hat Harold Stilson vor wenigen Tagen bei einem Turnier in Deerfield Beach, Florida, ein Hole-in-one geschafft, aus 98 Metern und mit einem Eisen 4. Harold Stilson ist 101 Jahre alt. Golfspieler sind aber auch anders als Menschen. Sie werden jünger. Insgesamt gesehen zumindest. In Nordamerika, aber auch in Asien, Großbritannien, Skandinavien und (mit Abstrichen) Deutschland wächst eine neue Generation Golf heran, die hat nichts mit Wolfsburg zu tun, sondern vielmehr mit Tiger Woods, man kann sie also auch Generation Woods nennen.

Vertreter dieser Generation konnte man dieser Tage am Rande der Deutsche-Bank-SAP-Open in St. Leon-Rot bei Heidelberg bei Mannheim bewundern. In einem Charity-Bewerb namens "Beat the Pro" traten sechs Talente gegen sechs golfende Superstars an (Woods, Langer, Clarke, Els, Westwood, Björn), es ging darum, den Ball aus 60 Metern Entfernung möglichst nah an ein Loch zu legen, gewonnen hat die 15-jährige Vanessa Gross vor Langer und dem achtjährigen Moritz Wüst.

Der einzige Österreicher, der es auf die europäische Tour geschafft hat, Markus Brier, spricht davon, dass weltweit Tausende Väter dabei sind, mit und an ihren Söhnen den Woods-Lebenslauf zu kopieren. Soll heißen, spätestens als Zweijähriger findet der Knabe ein Golfbag unterm Christbaum, mit Sieben sollte er sein erstes Turnier gewinnen. Brier: "Viele werden auf der Strecke bleiben. Aber einige werden es schaffen." Wenn alles klappt, sagt Brier, dann könnte es durchaus auch der eine oder andere Österreicher schaffen, vielleicht Dominic Angkawidjaja vom GC Murhof. Der ist Jahrgang '89 und hat Handicap drei, laut Brier "ein Riesentalent. Als ich so alt war, hab' ich noch lange nicht gewusst, was ein Par ist. Die Frage ist halt immer, ob er lang genug dabei bleibt, da kann viel passieren."

In Großbritannien ist vor zwei Jahren ein Achtjähriger namens Stiggy Hodgson groß rausgekommen, er benötigte bei der Unter-10-Weltmeisterschaft in San Diego um fünf Schläge weniger als 15 Jahre zuvor der achtjährige Tiger und sagte: "Ich werde Nummer eins, ganz, ganz sicher." In den USA erfassen sie die jungen Golfer in eigenen Förderprogrammen und schicken sie auf eine eigene Tour, dort sind die Schläger etwas leichter und die Löcher etwas kürzer. So soll verhindert werden, dass der Sport die Gesundheit schädigt. Der Tagesablauf von Kindern wie Stiggy? Schule, dann kurz heim zum Mittagessen, dann auf die Driving Range und drei, vier Stunden lang üben. So kam Stiggy mit acht Jahren schon auf 360 Schläge täglich.

Mögliche Dauerschäden durch psychische Belastung stehen auf einem anderen Blatt. Beverly Klass kann als abschreckendes Beispiel gelten. 1967 qualifizierte sich die damals Zehnjährige für die US-Damentour, wo sie in vier Turnieren 131 Dollar verdiente und dann wieder von der Bildfläche verschwand. Heute gibt Klass (44) in West Palm Beach, Florida, Golfunterricht. Sie erzählt von früher: "Mum und Dad liebten mich, wenn ich gut spielte. Wenn ich schlecht spielte, liebten sie mich nicht. Dann gab's Schläge. Ich hatte keine schöne Kindheit." Vor kurzem hat sich eine Zwölfjährige für die US Open der Damen qualifiziert, ganz Amerika geriet aus dem Häuschen.

Immerhin spielt Gen-Manipulation noch keine Rolle, wahrscheinlich. Und immerhin scheint der Original-Tiger noch auf einige Jahre hinaus an der Weltspitze ungefährdet. Die Deutsche-Bank-SAP-Open in St. Leon-Rot bei Heidelberg bei Mannheim standen im Bann einer grandiosen Aufholjagd des Mannes, der aktuell im Besitz aller vier Major-Titel ist.

Woods, der mit einer 69er-Runde relativ verhalten gestartet war, steigerte sich zunächst auf 68, dann auf 63 Schläge, damit lag er schon ex aequo mit dem Neuseeländer Michael Campbell, der am Samstag mit einer 73 seinen Vorsprung verspielt hatte. Am Sonntag schloss Woods mit einer 66 ab, das ergab insgesamt 22 unter Par und einen überlegenen Sieg. Mit vier Schlägen Vorsprung auf Campell, sowie fünf auf den Dänen Sören Kjeldsen und den Australier Peter O'Malley.

Von Fritz Neumann
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