So leben die Nachkommen der Bounty-Meuterer

22. Mai 2001, 11:49
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... weit, weitab aller Schifffahrtsrouten und mit einem Fuß im Bankrott

Adamstown/Sydney - Die Nachkommen der ehemaligen Bounty-Meuterer, die auf der kleinen Insel Pitcairn wohnen, stehen vor dem Bankrott. Die knapp 45 Bewohner des Eilands haben in einem Rundschreiben um Hilfe gebeten. Insgesamt fehlen 250.000 Dollar für die Errichtung einer Solaranlage zur Stromerzeugung und über 100.000 Dollar zur Deckung der Transportkosten für lebensnotwendige Güter.

Pitcairn ist ein von Großbritannien abhängiges Gebiet, das von Neuseeland aus verwaltet wird und ein eigenes Wirtschaftsgebiet darstellt. Die Pitcairners haben in den vergangenen Jahren ihren Lebensunterhalt aus dem Verkauf von Briefmarken und verschiedenen Handarbeiten verdient. Nachdem in den vergangenen Jahren die Erlöse aus der Philatelie immer kleiner wurden, befürchten die Insulaner nun eine finanzielle Katastrophe.

Die tropische Insel, die über keinen natürlichen Hafen und keinen Flugplatz verfügt, bezieht Waren aus dem Ausland ausschließlich über Frachtschiffe, die die Insel passieren. Die Schiffe stoppen ihre Motoren auf hoher See, die Insulaner kommen mit Langbooten und laden die Güter auf hoher See in die Boote um. Pro Schiff kostet das den Pitcairners rund 35.000 Dollar. Drei bis viermal im Jahr werden Güter geliefert.

Die Inselbewohner versorgen sich mit Strom über einen Generator, der mit Dieselöl betrieben wird. Durch den langen und schwierigen Transportweg kostet der Liter Dieselöl ein Vielfaches mehr als in Neuseeland. Ein alternatives Energiekonzept, das auf die Nutzung von Sonnenwärme und Wind setzt, kostet nach vorsichtigen Schätzungen 250.000 Dollar. Durch die heftigen El Nino-Perioden gab es auf Pitcairn in vergangener Zeit immer wieder Wasserversorgungsengpässe und dadurch bedingt Ernteausfälle. Die Insulaner haben daher den Pitcairn Future Projects Fund eingerichtet.

Anfang Mai hat das neuseeländische Baukonsortium Wellesley verkündet, die Insel mit den beiden unbewohnten Nachbarinseln Henderson und Oeno zu einem Touristenziel auszubauen. Es sollen insgesamt zwei Flughäfen, ein Vier-Sterne-Hotel und zwei Lodges errichtet werden. Das Baukonsortium, das die Exklusivität der Vermarktung fordert, verspricht den Einwohnern zehn Prozent des Profits. Die Einwohner und Naturschützer in Neuseeland stehen dem Projekt jedoch kritisch gegenüber. Sie befürchten, dass das Naturparadies Henderson - ein UNESCO-Weltkulturerbe - durch die plötzliche Menge an Touristen schwer in Mitleidenschaft gezogen würde, berichtete die britische Tageszeitung. Auf der unbewohnten Insel gibt es Brutplätze für Millionen von Seevögeln.

Eines sei jedenfalls klar, die existentiellen Nöte würden durch den Tourismus verschwinden, meint der amerikanische Professor Herbert Ford vom Pitcairn Islands Study Center. Mehr als 30 Besucher auf einmal dürfe es nicht geben, fordern die Insulaner, die sich vor der großen Anzahl von Fremden fürchten. Bis zu einer endgültigen Entscheidung bleibt den Nachfahren der Bounty-Meuterer noch ein wenig Zeit. Vielleicht sind es die letzten Jahre der seit 1790 andauernden Isolation vom Rest der Welt.(pte)

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