Die Eskalation in Nahost

20. Mai 2001, 15:18
posten

Bulldozer gegen Häuser und Plantagen, Kampfflugzeuge gegen palästinensische Behörden

Tel Aviv - Der seit acht Monaten andauernde Aufstand der Palästinenser und israelische Militäraktionen zur Bekämpfung der Gewalt haben bisher fast 600 Menschen das Leben gekostet, darunter rund 500 Palästinenser und 13 arabische Israelis. Schon am Tag nach dem umstrittenen Besuch des damaligen israelischen Oppositionsführers Ariel Sharon auf dem Jerusalemer Tempelberg Ende September 2000 setzten israelische Polizisten scharfe Munition gegen palästinensische Demonstranten ein und töteten in den folgenden Tagen Dutzende Steinewerfer.

Bereits in den ersten zwei Monaten der neuen Intifada, des palästinensischen Aufstandes, wurden rund 250 Palästinenser durch israelische Gegengewalt getötet, viele durch gummiummantelte Stahlkugeln. Höchst umstritten war das Vorgehen der Polizei gegen israelische Araber bei Protesten Anfang Oktober 2000, bei denen 13 Demonstranten erschossen wurden.

Schwere Waffen

Noch in der Regierungszeit von Ehud Barak setzte die Armee zunehmend schwere Waffen gegen Palästinenser ein. Mit Kampfhubschraubern und Luft-Boden-Raketen griff sie Ziele in Ramallah und Gaza an, nachdem Palästinenser in Ramallah zwei israelische Reservisten gelyncht hatten. Erfolgte der erste Luftangriff noch mit Vorwarnung, so attackieren israelische Hubschrauber inzwischen ohne Ankündigung, was die Zahl der Opfer auf der Gegenseite erhöht.

Schon nach wenigen Wochen begann die Armee mit dem Einsatz von Panzern gegen bewaffnete Palästinenser. Sie zerstörten mit ihren Panzergranante zahlreiche Häuser im Westjordanland und im Gaza-Streifen. Mit Bulldozern wurden Äcker und Plantagen dem Erdboden gleich gemacht und damit die Lebensgrundlage Tausender Palästinenser zerstört. Die Armee dringt dabei auch auf autonomes palästinensisches Gebiet vor. Der Einsatz von F-16 Kampfflugzeugen am vergangenen Freitag war der bisher umstrittenste Schritt auf dem Weg zu einer Verschärfung der Lage.

Eine besondere Form der Eskalation stellt die Jagd israelischer Elite-Einheiten und der Geheimdienste auf palästinensische Extremistenführer dar, die im Dezember mit dem Hubschrauberbeschuss eines Fatah-Führers bei Bethlehem begann. Mehr als zwei Dutzend Palästinenser wurden von diesen Kommandos getötet. Dabei kam es zu tödlichen Fehlern wie die "versehentliche" Erschießung von fünf Palästinensern vor einer Woche bei Ramallah. (APA/dpa)

Share if you care.