Endspurt beim Berliner Theatertreffen

20. Mai 2001, 18:41
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Donnerstag Preisvergaben

Berlin - Endspurt beim 38. Theatertreffen in Berlin: Noch bis zum Donnerstag ist die diesjährige Auswahl der Festivaljury an bemerkenswerten Inszenierungen deutschsprachiger Bühnen zu sehen. Streit und Kontroversen bestimmten die Wochen vor dem Theatertreffen. Aus Protest gegen eine behauptete Missachtung junger Regisseure durch das Festival startete in Frankfurt am Main die als "Gegen-Theatertreffen" wieder ins Leben gerufene "Experimenta" (bis 2. Juni).

Bondy,Zadek und Peymann beherrschen Theaterszene

Regieveteranen wie Luc Bondy, Peter Zadek und Claus Peymann beherrschten in Berlin die Szene. Obwohl die Einladung zum Theatertreffen bereits als Auszeichnung für die Bühnen gilt, werden am Donnerstag noch zwei Preise vergeben. Den mit 10.000 Mark dotierten Alfred-Kerr-Darstellerpreis erhält ein Nachwuchsschauspieler. Zu den Favoriten zählt dabei die 25-jährige Fritzi Haberlandt für ihre Rolle der Julie in der umstrittenen Hamburger "Liliom"-Inszenierung von Michael Thalheimer. Der mit 20.000 Mark dotierte 3sat-Innovationspreis wird für eine künstlerisch-innovative Inszenierung verliehen. Elf Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen dabei zur Auswahl.

Burgtheater erstmals mit vier Inszenierungen eingeladen

Viel Beifall gab es vor allem für das Wiener Burgtheater, das - ungewöhnlich genug - mit gleich vier Inszenierungen eingeladen wurde. Luc Bondy traf mit dem Beziehungsstück "Drei Mal Leben" von Yasmina Reza auch in Berlin ins Schwarze der Gefühle. Ulrich Mühe, Susanne Lothar, Sven-Eric Bechtolf und Andrea Clausen sind die wahlweise gehässigen, depressiven, aggressiven oder melancholischen Ehepartner.

Ibsen-Drama "Rosmersholm"

Der 75-jährige Peter Zadek brachte aus Wien das als unspielbar verschrieene Ibsen-Drama "Rosmersholm" mit. Die Starschauspieler Angela Winkler und Gert Voss machten daraus Theatergenuss pur. Mit Heimvorteil waren Frank Castorf von der Berliner Volksbühne mit "Endstation Amerika" nach Tennessee Williams und Claus Peymann vom Berliner Ensemble mit Shakespeares "Richard II." gestartet. Auch Christoph Marthaler zeigte Shakespeare und brachte die Zuschauer mit seiner musikalischen Interpretation von "Was ihr wollt" aus Zürich wie gewohnt zum Lachen. Selbst bei Thomas Krupas "Chroma" vom Staatstheater Darmstadt, einer schwierigen Annäherung an Gustaf Gründgens nach einem Text von Werner Fritsch, blieb das Publikum gelassen und freundlich.

Schlingensief zeigt ganze Fassung von Zürcher "Hamlet"-Projekt

Christoph Schlingensief wird am Dienstag Abend - anders als geplant - doch die ganze Fassung seines Zürcher "Hamlet"-Projekts zeigen. Das Stück feierte vor zehn Tagen in Zürich erfolgreiche Premiere. In Berlin will sich Schlingensief dem Publikum in einer anschließenden Diskussion stellen, an der neben seinen Schauspielern auch der Grün-Politiker Rezzo Schlauch teilnimmt. (APA/dpa)

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