Die Kritik wird lauter in Israel

20. Mai 2001, 14:36
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Oppositionschef Sarid: Es starben Palästinenser, "die mit Terrorismus nichts zu tun hatten"

Jerusalem - Der Chef der linksgerichteten israelischen Opposition, Yossi Sarid, hat die Angriffe von Kampfflugzeugen in den Palästinensergebieten kritisiert. Dabei seien Palästinenser getötet worden, "die mit dem Terrorismus nichts zu tun hatten", sagte Sarid am Sonntag im israelischen Rundfunk. Nach seinen Worten "wünschen die Terroristen gerade möglichst viele Opfer sowohl auf israelischer als auch auf palästinensischer Seite aus, um ihre Reihen schließen und den Extremismus rechtfertigen zu können".

Der ehemalige Justizminister rief die USA, die Europäer und die gemäßigten arabischen Staasten auf, ihren Einfluss stärker geltend zu machen, um Israeli und Palästinenser an den Verhandlungstisch zu bringen. Der Krieg sei nicht "unausweichlich".

Vorwürfe aus dem Kabinett

Bei der Sitzung des israelischen Kabinett wurde am Sonntag mehrfache Kritik am Vorgehen der Regierung unter Ariel Sharon geübt. Kritisiert wurde, dass der erstmalige Einsatz von Kampfflugzeugen im Kampf gegen den palästinensischen Terror ohne vorherige Beratung des Kabinetts durchgeführt wurde, und ferner, dass dabei die zu diesem Zeitpunkt anberaumte dringliche Tagung der Außenministerkonferenz der Arabischen Liga nicht berücksichtigt worden sei.

Ministerpräsident Ariel Sharon habe sich nach Medienangaben damit gerechtfertigt, dieser Einsatz sei nach dem mörderischen Terroranschlag in Netanya notwendig gewesen, um Palästinenser-Präsident Yasser Arafat zu beweisen, dass Israel sich mit der Fortsetzung des Terrors nicht abfinden werde. In der Kabinettsitzung sei ferner von rechtsradikalen Ministern auch Kritik am Gespräch zwischen Verteidigungsminister Benjamin Ben Eliezer mit dem Wirtschaftsberater Arafats, Mohammed Sharif, geübt worden. Dies widerspreche der israelischen Haltung, keine Verhandlungen mit den Palästinensern "unter Feuer" zu führen.

"Keine andere Wahl"

Verkehrsminister Ephraim Sneh warf Sharon im israelischen Rundfunk eigenmächtiges Vorgehen vor. Verteidigungsminister Eliezer sagte laut der Zeitung "Haaretz" (Sonntagausgabe): "Ich bin nicht wirklich zufrieden mit diesen spektakulären Aktionen." Lieber würde er zielgenaue "chirurgische" Angriffe anorden. Er habe jedoch keine andere Wahl gehabt.

Bei den ersten Angriffen israelischer Kampfbomber in den Autonomiegebieten seit 1967 waren am Freitag zwölf Palästinenser getötet und etwa hundert verletzt worden. Die Luftattacke war die Vergeltung für den Anschlag eines palästinensischen Selbstmordattentäters, der im Küstenort Netanya nördlich von Tel Aviv fünf Israeli mit in den Tod gerissen hatte. (APA)

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