Glanz und Elend im starkem asiatischen Cannes-Aufgebot

20. Mai 2001, 10:41
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Entfremdung, Entwurzelung und Einsamkeit sind der Rote Faden durch die Geschichten

Cannes - Schon zwei Mal ist der japanische Star-Regisseur Shohei Imamura mit der Goldenen Palme, der höchsten Auszeichnung des Filmfestivals in Cannes, ausgezeichnet worden. Und auch in diesem Jahr setzte der 74-Jährige aus Tokio mit seinem jüngsten Werk "Warmes Wasser unter einer roten Brücke" Akzente. Mit Witz und viel Schalk im Nacken entfaltet der Meisterregisseur die surreale, symbolträchtige Geschichte der kleptomanischen Saeko, die im erregten Zustand so wie ein Geysir Unmengen an Wasser verspritzt und damit Blumen blühen lässt und die Fische anzieht. Der Streifen ist eine wunderbar verschachtelte Hymne auf die Frauen - und auf die Kraft der Liebe.

Eine andere Seite der vor allem zahlenmäßig starken Präsenz von Filmen aus Japan und Taiwan brachte der 1964 geborene Landsmann von Shohei Imamura, Shinji Aoyama, in den 54. Wettbewerb des größten Filmfestivals der Welt. Im vergangenen Jahr noch für sein Psycho-Drama "Eureka" auch von der Kritik gefeiert, gehörte Aoyamas "Desert Moon", (Wüstenmond) zu den Enttäuschungen des Festivals. Mit klaren Bildern und ätzender Gesellschaftskritik beginnt der Beziehungsfilm, um dann nach einer wirren Dreiecksgeschichte in einem dick aufgetragenen Plädoyer für die Rückkehr zu der Tradition heiler Familienstrukturen zu enden.

Glanz und Elend, beide Seiten hat das asiatische Kino in Cannes geboten. Entfremdung, Entwurzelung, Einsamkeit ziehen sich als rote Faden durch die Geschichten von Aussteigern aller sozialer Schichten, vom arbeitslosen Angestellten bis zum gescheiterten Geschäftsmann des Informationszeitalters. Trauer und Flucht in die Erinnerung sind das Leitmotiv des taiwanesischen Films "Und wie spät ist es da?" des aus Malaysia stammenden Regisseurs Ming-liang Tsai: Hsiao-Kang, ein Uhrenverkäufer in Taipeh, stellt alle Uhren auf Pariser Zeit um, weil er die traditionelle Trauerarbeit seiner Mutter nicht verkraftet. Er flüchtet auf seine Weise einer nach Paris gereisten Frau hinterher.

An dieses anspruchsvolle Werk kommt wiederum der "Millennium Mambo" des zur "New Wave" Taiwans gezählten Hsiao Hsien Hou nicht heran. Der 54-jährige Regisseur siedelt seine Dreiecksgeschichte mit der attraktiven jungen Qi Shu als Frau zwischen zwei Männern im Milieu der Drogen, Nachtbars und Exzesse an. Die Liebe als Illusion und die Abhängigkeit von ihr spielen in "Millennium Mambo" eine entscheidende Rolle.

Und die Aussteiger aus dem globalisierten Kapitalismus reihen sich im asiatischen Filmschaffen weiter aneinander. "Unloved" des Japaners Manda Kunitoshi gewann in Cannes den Preis "FuturTalent" der Ökumenischen Jury. In seinem Film entzieht sich eine junge Arbeiterin dem Druck der Leistungsgesellschaft: Der Ausbruch aus Tradition, Trott und Traurigkeit wird zum höchsten Ziel. (APA/dpa)

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    Schauspielerin Shu Qi

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