Gerettete Schweizer aus Klinik entlassen

21. Mai 2001, 07:07
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Nach drei Tagen Höhle sind Studenten und Führerin wohlauf

Goumois - Nach drei bangen Tagen in Dunkelheit und Kälte hat das Höhlen-Drama im französischen Jura für die eingeschlossenen Schweizer ein glückliches Ende genommen. Am Samstagabend wurden die sieben Studenten und ihre Führerin befreit. Die Strapazen haben sie gesund überstanden, wie der Direktor des Krankenhauses im schweizerischen Delsberg, Peter Anker, am Sonntag mitteilte. Am Nachmittag wurden sie bereits aus der Klinik entlassen.

Fünf Männer und drei Frauen

Die fünf Männer und drei Frauen wurden am Samstag aus der Höhle bei Goumois nahe der Schweizer Grenze gerettet, nachdem die Hilfskräfte in unermüdlichem Einsatz einen Fluchtweg freigeschlagen hatten. Rund 260 Helfer waren nach Angaben der Schweizer "SonntagsZeitung" im Einsatz.

Jubel und Beifall als die ersten aus der Höhle kamen

Die Retter brachen in Jubel und Beifall aus, als die erste Gruppe der Eingeschlossenen, die drei Frauen, am Samstag kurz nach 20.00 Uhr an die Oberfläche kam. Gleich darauf folgte die zweite Gruppe. Einige der Geretteten, die am Mittwochabend in der Höhle von einem Wassereinbruch überrascht worden war, ließen ihren Tränen freien Lauf. "Danke für die Hilfe, danke für alles", sagte ein Student in eine Fernsehkamera. Anschließend wurden sie mit Krankenwagen zu einem in der Nähe errichteten Lazarett gebracht, wo auch ihre Familienangehörigen warteten.

Mit Hilfe von zusätzlichen Wasserpumpen, das Abfließen von Wasser beschleunigen

Die Rettung der eingeschlossenen Studenten der Zürcher Schule für Soziale Arbeit und ihre Führerin aus ihrem Zufluchtsort - einer trockenen Nische rund 75 Meter vom Eingang der Höhle Bief-du-Paroud entfernt - hatte sich am Samstag immer wieder verzögert. Die Einsatzkräfte versuchten mit Hilfe von zusätzlichen Wasserpumpen, das Abfließen des in der Höhle stehenden Wassers zu beschleunigen. Schließlich setzten die Retter gegen 18.00 Uhr an einer engen Stelle Sprengstoff ein.

Danach ging alles sehr schnell: Durch Höhlengänge und einen von den Rettern gegrabenen Schacht wurden die acht an die Oberfläche geführt, wo sie um 20.20 Uhr von den wartenden Sanitätsmannschaften in Empfang genommen wurden.

Am Samstagmorgen waren Taucher zu den Studenten vorgedrungen

Der erste Kontakt zu der Gruppe war bereits am Freitagvormittag hergestellt worden. Am Samstagmorgen waren noch Taucher zu den Studenten vorgedrungen und hatten sie mit Nahrung, trockener Kleidung und einem geheizten Zelt versorgt. Sogar eine Telefonleitung zur Außenwelt wurde installiert.

Höhle isat normalerweise für kleinere Touren geeignet

Der Basler Höhlentour-Veranstalter Altamira wurde unterdessen auch in Frankreich scharf kritisiert: David Caillol, ein Mitglied der französischen Höhlenforschergesellschaft, sagte am Sonntag, das auf Erlebnispädagogik spezialisierte Unternehmen habe die Gruppe auf fahrlässige Art und Weise in die Höhle einsteigen lassen, ohne die Betroffenen auf die Risiken aufmerksam zu machen. Die Höhle sei bekannt dafür, dass sie sich rasch mit Wasser füllen könne. "Man sollte junge Leute nicht in eine solche Höhle führen", sagte Caillol.

Altamira-Chef Valentin Vonder Mühll wehrte sich jedoch gegen die Vorwürfe, der Höhlengang sei leichtsinnig gewesen. Auch Thierry Boillat, der Einsatzleiter der Rettungsaktion, bestätigte in einem Interview mit der "SonntagsZeitung", die Höhle sei gut geeignet für kleine Touren, da sie normalerweise nicht gefährlich sei. (APA/AP)

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