Wiener Forscher arbeiten mit künstlichen neuronalen Netzen

20. Mai 2001, 18:56
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Wien - Am Wiener Institut für pharmazeutische Chemie arbeiten Forscher an der Ausschaltung von Transportproteinen für Zytostatika, das sind Medikamente, die schnellwachsende Zellen töten. Die Ergebnisse sollen in der Krebsmedizin Verwendung finden. Es geht darum, den natürlichen Schutzmechanismus von Zellen auszuschalten, der in der Tumortherapie sehr oft für das Versagen der Arzneistoffe verantwortlich ist.

Seit sieben Jahren arbeitet Gerhard Ecker vom Institut für Pharmazeutische Chemie und Peter Chiba vom Institut für Medizinische Chemie an der Erforschung von Substanzen, die diesen Zellmechanismus überwinden. "Transportproteine bilden innerhalb der Zelle einen Schutz vor eindringenden Substanzen. Die Proteine bilden an der Oberfläche der Zellen einen Schutz vor eindringenden Substanzen. Die Proteine funktionieren nach dem Prinzip einer Pumpe", so Ecker zu pte.

"Aus den ursprünglich 800 Substanzen wurden rund 140 Verbindungen an einem Tumorzellmodell genauer getestet." Für die Auswertung der Daten verwenden die Wiener Pharmazeuten ein künstliches neuronales Netz, das vom Computer-Chemie-Centrum an der Universität von Erlangen entwickelt wurde. "Wir sind in Wien weltweit die Ersten, die mit einem solchen System künstlicher Intelligenz arbeiten. Das erspart die Mühe jede einzelne Substanz herzustellen und dann auszuprobieren", meint der Wissenschaftler.

Da der Wirkungsgrad der Verbindungen sehr unterschiedlich ist, wollen die Wissenschaftler möglichst nur die wirkungsvollsten Substanzen untersuchen. "Bei zwei bis drei Substanzen sind wir schon sehr zuversichtlich", meint Egger. Dennoch ist es bis zu einem fertigen Medikament ein sehr langer Weg. Es gehe eben darum, den Tumor sensitiver für eine Therapie zu machen. "Ziel ist es eine große Bibliothek von Millionen von Substanzen am Computer einzurichten, um so neue Strukturklassen von Pumpenblockern zu entwickeln."

"Die Erforschung des Prinzips der Hemmung von Pump-Proteinen wurde 1981 von Tsuruo erstmals beschrieben. Insgesamt kennt die Wissenschaft bis heute eine Vielzahl von Transportproteinen, die nicht nur Zytostazika transportieren, sondern auch für Antibiotikaresistenzen von Bakterien und für die Resistenz in der Behandlung von Pilzinfektionen verantwortlich sind. Eine besonders wirksame Verbindung wird zur Zeit zur Behandlung resistenter Leukämie klinisch getestet, so Ecker. Die aus der Proteinblocker-Forschung gewonnenen Erkenntnisse sollen in weiterer Folge auch auf Bakterien ausgedehnt werden. So könnten Antibiotikaresistenzen ausgeschaltet werden, meint der Forscher.(pte)

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