Cannabis-Träume ausgeträumt?

22. Mai 2001, 14:10
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Das US-Verfassungsgericht verbietet den Einsatz von Marihuana als Medizin

Washington/Wien - Das Urteil des US-Verfassungsgerichts, wonach Marihuana keinen medizinischen Nutzen hat, ist ein schwerer Schlag gegen Mediziner, die Cannabinoide als Medikament verschrieben haben. Laut dem Urteil ist die Vergabe der Droge zu medizinischen Zwecken ein Verstoß gegen das Bundesrecht.

Mit der Entscheidung werden viele Organisationen, die sich mit der Erforschung der Cannabis-Medizin beschäftigt haben, in die Illegalität gedrängt, meinen Kritiker. Die Richter hätten mit dem Urteil eine Frage geklärt, die aber in weiten Teilen der Medizin selbst noch nicht geklärt ist: manche Forscher argumentieren, dass Stoffe in Cannabis enthalten sind, die zur Linderung schwerer Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Krebs und Aids, aber auch in der Augenmedizin erfolgreich verwendet werden.

"Das ist ein Remake der Prohibition, eine politisch-taktische Entscheidung", so der Wiener Mediziner Kurt Blaas, der in der Arbeitsgruppe "Cannabis in der Medizin" mitarbeitet. "Wir durchwandern ein Nadelöhr in der Medizin und entdecken täglich neue Teile. Ein unglaublich breites Band an Publikationen zum wissenschaftlichen Nutzen von Cannabis erscheint wöchentlich. Dabei geht es nicht nur um Themen aus der Schmerzmedizin, sondern auch um erfolgreiche Anwendungen von Cannabis in der Augenheilkunde", so der Arzt.

"Das ist ein ordentlicher Schlag ins Gesicht" , so Dave Stanley von der Oakland Cannabis Buyers Cooperative, einer Organisation, die seit 1996 Marihuana an Aids- und Krebskranke ausgibt. Die Entscheidung folge nicht dem Willen der Bevölkerung. Ein Kriegsveteran, der an traumatischer Arthritis leide, brauche Marihuana, um in der Nacht überhaupt schlafen zu können. Die kalifornische Bevölkerung hatte sich 1996 mehrheitlich für eine Teillegalisierung von Marihuana für medizinische Zwecke ausgesprochen. Nach der neuesten Gesetzeslage macht sich auch jemand, der Cannabispräperate vertreibt oder diese als Medikament bei sich trägt, strafbar. (pte)

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