Die Siegerin will "nie anfangen aufzuhören"

18. Mai 2001, 21:03
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Anita Weinberger, grüne Hoffnung für den ÖH-Vorsitz

Johanna Dohnal und Madeleine Petrovic - das sind die politischen Vorbilder, an die sich Anita Weinberger hält. Sie hat es weit damit gebracht: An der Spitze der Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS) hat sie bei der ÖH-Wahl diese Woche einen wichtigen Erfolg für die Grün-Bewegung errungen - sie ist nun die zweitstärkste Kraft an den Hochschulen, nur drei Mandate hinter der konservativen Aktionsgemeinschaft, eines (und einen wichtigen halben Prozentpunkt) vor dem sozialdemokratischen VSStÖ.

Und wo rangiert Alexander Van der Bellen in der Rangfolge der Vorbilder? Unter "auch nicht schlecht". Und Elisabeth Gehrer? Die ist "für uns nicht tragbar", denn die amtierende Bildungsministerin habe "eine andere Auffassung von Wissenschaft als wir".

Die 23-jährige Sozialwirtschaftsstudentin an der Universität Linz hat auch am Tag nach der Wahl die Wahlkampfrhetorik verinnerlicht. An der schwarz-blauen Koalition stört sie vieles, vor allem aber die Abschaffung des Frauenministeriums. Auch an der Uni herrscht in Frauensachen Aufholbedarf. "Frauen in die Technik" wird eines der vielen Projekte sein, mit denen man schon angefangen hat, nicht aber aufhören sollte.

Zitat

"Ich lese sehr gerne und viel" antwortet die Mühlviertlerin, wenn man sie nach ihren Hobbys fragt. Und das schönste Zitat, das sie jemals gelesen hat, lautet: "Du sollst nie anfangen aufzuhören und nie aufhören anzufangen." Wo sie das gelesen hat? Das weiß sie nicht mehr so genau - es war jedenfalls ein häufig gebrauchtes Wort in der Friedensbewegung der Achtziger-und Neunzigerjahre.

Demnächst wird sie anfangen, einem neuen Hobby nachzugehen: der ÖH-Bundesvertretung - vorausgesetzt, sie findet die Unterstützung der SozialdemokratInnen im StudentInnenparlament.

Emotional kann die junge Frau auf die Unterstützung ihrer Eltern bauen. "Die stehen immer hinter mir", nur manchmal sind deren Ansichten eher rot - "hie und da fliegen deshalb auch die Fetzen". Wenn es so weit kommt, hat sich Weinberger schon ans Nachgeben gewöhnt: "Die SPÖ macht ja auch manches recht gut." Ganz so aufmüpfig, wie sie auf den ersten Blick wirkt, ist sie dann doch nicht.

Das mag mit ihrer sozialen Ader zusammenhängen: Schon im Alter von siebzehn Jahren begann sich die damalige HAK-Schülerin sozial zu engagieren. "Freiwillig", wie sie betont, half sie Obdachlosen in der Linzer "Warmen Stube". Die Erfahrungen, die Weinberger dort gemacht hat, waren für sie nach eigenem Bekunden sehr wichtig: "Da lernt man, wie schlecht es manchen Menschen geht und wie man denen helfen kann."

In ihrer wahrscheinlichen künftigen Funktion als ÖH-Vorsitzende heißt soziales Engagement für sie, sich vor allem gegen die Einführung der Studiengebühren zu wehren.

(Florian Stadtthaler, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.05.2001)

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