Haarivederci

21. Mai 2001, 22:18
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Toupet-Studios: Vielen mag beim Gedanken an sie das Haar zu Berge stehen. Doch für den, der gern etwas zum Raufen hätte, ist der Weg zum Zweithaar nahe liegend. Einige Ziele im Vergleich.

Heino hat fünf, Meister Proper keins, Yul Brynner hatte vielleicht welche, trug sie aber nicht. Dass Captain Jean-Luc Picard von der Enterprise im 24. Jahrhundert Toupets nicht modisch findet, leuchtet ein. Warum er bei all der medizinischen Fiktion eine Glatze hat, weiß der Teufel. In fünfzehn Jahren soll es hundertprozentig so weit sein, dass Mann das Toupet an den Nagel hängen kann. Wie auch immer, wir schreiben das Jahr 2000, in dem es Medikamente, Laserbehandlung und Haartransplantation gibt, ein Mittel zum vollständigen Nachwuchs aber noch nicht am Markt ist.

Haare lassen häufiger Männer als Frauen. Androgenetische Alopezie heißt's so schön. Meist ist ein Überschuss an Testosteron verantwortlich, was die Mär von der außerordentlichen Potenz von Glatzköpfen gedeihen ließ. Stimmt so nicht, denn auch wenn das männliche Sexualhormon für kahle Stellen verantwortlich ist, steht es nicht automatisch für enorme Manneskraft. Biblisch überlieferte Samson-Virilität hin, durch Lifestyle-Magazine ausgewiesener Kojak-Sexappeal her, wird der Kahlschlag am Haupt offensichtlich, so ist es für manche an der Zeit, mit Künstlichkeit den Mangel an Natur wettzumachen.

Wer darangeht, sein geschwundenes Echthaar durch einen "Fiffi" oder "Peppi", wie das Toupet vom Gemeinen gerufen wird, zu ersetzen, soll sich über die grundlegenden Varianten hinsichtlich Anfertigung, Anpassung und Befestigung ausreichend informieren.

Echt- und Kunsthaar

Hier sei in Kürze das Wichtigste erwähnt: Unterschieden wird generell zwischen Echt-und Kunsthaar. Ersteres überzeugt durch seine Optik (Glanz & Schimmer), Letzteres durch seine Strapazierbarkeit. Asiatisches Haar ist zwar billiger, unterscheidet sich aber hinsichtlich Dicke und Aussehen von europäischem Haar.

Trägermaterial

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist das Trägermaterial. Jenes aus Kunststoff ist häufig schweißtreibend, der Tragekomfort bescheiden. Luftdurchlässige Toupets schonen die Kopfhaut und sind in der Regel leichter.

Befestigung

Letztlich spielt noch die Art der Befestigung eine Rolle. Eine traditionelle Methode ist das Fixieren mittels Klebestreifen. Das Toupet kann jederzeit entfernt werden, ist jedoch vor äußeren Einwirkungen (Kopfbälle beim Fußball, Sprünge vom Dreimeterbrett) weniger gefeit. Die Befestigung mit einem Kleber funktioniert flächendeckend und ist belastbarer. (Heino auf die Frage, ob er im Bett Toupet trage: "Manchmal kleben die Dinger so fest, dass ich sie nicht wieder runterkriege.") Welcher Kleber am verträglichsten ist, muss ausprobiert werden (ein Sporttrainer verwende sogar Teppichkleber, um sein Zweithaar zu fixieren und habe dabei keinerlei Probleme, so der Berater von Blizz-Frizz). Eine dritte gebräuchliche Methode ist das "Hair-Weaving". Dazu ist ausreichend Eigenhaar an den Seiten notwendig, denn das Haarteil wird mit Nylonschnüren mit dem Echthaar verflochten.

Damit das Toupet auch richtig sitzt, soll jedenfalls maßgefertigt werden. Fast alle getesteten Haarstudios verwenden einen Gipsabdruck zur Vorlage. Hear-Weaving nahm den Abdruck mittels Zellophan und Klebestreifen, Blizz-Frizz begnügte sich mit einem Maßband ("Sie ham ja eh an Standardkopf!").

Getestet wurden ausschließlich Wiener Toupetstudios. Als Testglatze zur Verfügung stellte sich Franz "Frankie" Kramml (tatsächlich und naturbedingt fast kahl - siehe Foto 1), seelsorgend begleitet vom Behaarteren der beiden Autoren. Der zweite Autor chauffierte und konnte durch seine "geheimratseckige" Existenz (nicht mehr da und noch nicht dort) hitzigen Diskussionen der Test-Protagonisten oftmals ihre etwas irrationale Intensität nehmen (besonders in der Sache mit dem Sexappeal).

-- Die Kriterien:

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