Spritpreise: Geöltes Regelwerk - Von Clemens Rosenkranz

18. Mai 2001, 18:57
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Auch wenn manche Autofahrer die Regel Nummer eins der Marktwirtschaft einfach nicht wahrhaben wollen: Der Preis für Sprit wird wie jener aller anderen Waren von Angebot und Nachfrage bestimmt, und zwar vom Markt in Rotterdam. Weil dort Käufer aus den USA massiv einkaufen, haben die Preise stark angezogen.

Man könnte einwenden: Die OMV fördert ihr eigenes Öl und verarbeitet es auch selbst und hat als Marktführer die Finger auf der Preisschraube. Allerdings würde der Raffineriechef seinem Kollegen von der Tankstelle bei Senkungswünschen kräftig auf die Finger klopfen: Schließlich muss auch die im Wettbewerb stehende Raffinerie positive Beiträge erwirtschaften.

Was Autofahrerklubs und Konsumentenschützer weniger laut sagen: Es gibt starke Preisunterschiede zwischen den funkelnden Hightech-Stationen der Multis und den Diskontern im Hinterhof. Die Differenz beträgt bis zu zwei Schilling. Auch innerhalb Österreichs gibt es spürbare Unterschiede gemäß der Formel: je mehr Anbieter, desto stärker die Konkurrenz. Hier gilt also wieder Regel Nummer eins.
Aber auch die Ölfirmen versuchen unbequeme Wahrheiten unter den Teppich zu kehren: Die Branche ist die einzige in Österreich, die einen Preisabstand zur EU mit dem Hinweis auf die ungünstige Topographie rechtfertigt. Richtig ist aber auch, dass die Tankstellenshops in anderen Ländern mehr Freiheit haben. Wer im Shop mehr verdient, kann's beim Sprit billiger geben.

Der Ruf von Volkstribunen nach einer amtlichen Preisregelung führt sich selbst ad absurdum: Schließlich ist die Forderung nach einem staatlichen Einheitspreis beim Sprit genauso sinnvoll wie bei Fischstäbchen und Windelhosen. Logische Konsequenz: Schaffen wir die Marktwirtschaft gleich ganz ab. (DER STANDARD, Printausgabe 19.5.2001)

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