Kärnten: Rangerausbildung - von Günter Traxler

18. Mai 2001, 20:25
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Bei der freiheitlichen Befehlsausgabe in Kärnten, die keine Befehlsausgabe war, hat der Oberbefehlshaber die Königskobra wieder einmal zur Schnecke und die Parteiobfrau zur Marketenderin degradiert, die nach seinem anderthalbstündigen Auftritt auch noch kurz ihren Kram feilbieten durfte. Wenn er seinen Stil im Umgang mit Menschen an den eigenen Leuten auslebt und die Getretenen sich dafür auch noch bedanken, ist das politische Bildung, anschaulich aufbereitet - man erfährt so viel über die Charakterstruktur des FPÖ-Funktionärs.

Als Ergänzung wird jene von Wehleidigkeit induzierte selektive Wahrnehmung geboten, die die Verantwortung für eigenes Versagen immer den anderen zuschiebt, sei es der ÖVP ("Wir bekommen Prügel für jemanden, der jetzt so tut, als sei er nie dabei gewesen"), sei es die SPÖ (macht "täglichen Terror gegen uns auf allen Ebenen"). So ist sie, die FPÖ - geprügelt, terrorisiert, aber tapfer: Die alten rot-schwarzen Seilschaften gebe es noch, "wir dürfen mit keiner Milde rechnen".

Dennoch warnte Haider seine Funktionäre davor, "den Verlockungen der Macht zu erliegen und in den alten Stil zu verfallen". Privilegien dürfe es in den eigenen Reihen nicht geben. Glücklicherweise sind wir im Besitz eines Dokuments, das es uns erlaubt zu zeigen, wie ernst man in der FPÖ solche Ansprüche nimmt und welch gute Stimmung daher in Amtsstuben herrscht, die unter freiheitlicher Kuratel stehen. Es handelt sich um einen Brief, genauer um einen Abschiedsrundbrief an Minister und Kollegen, geschrieben am 27. April 2001 von einem Herrn Michael Ramprecht aus dem Büro von Finanzminister Karl-Heinz Grasser, blau wie der Chef und von diesem aus Kärnten geholt.

Anlass des Schreibens: Herr Ramprecht macht Karriere. Er scheidet aus dem Ministerbüro aus und wird Geschäftsführer in der Bundesbeschaffungsgesellschaft (BBG). Das ist schön für ihn. Der Posten wurde von einem Beratungsunternehmen ausgeschrieben, von wegen Objektivierung.

Herr Ramprecht schildert zunächst die Idylle im Finanzressort unter Grasser. "Ich möchte mich bei dieser Großfamilie dafür bedanken, dass ich so herzlich aufgenommen wurde und dass mir damit die Trennung von meiner Familie nur mehr halb so schwer gefallen ist. Es hat sich ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, das der beste Stabilisator jeder Organisation und jeder effektiven Arbeit ist, wofür ich mich herzlich bedanke. Meinem großen Vorbild möchte ich dafür danken, dass er mir im Feber des letzten Jahres die Chance gegeben hat, in der obersten Liga mitspielen zu dürfen und in dieser Rangerausbildung so viel gelernt zu haben."

Schön gesagt, aber der neue Byzantinismus erfordert größere Anstrengungen. "Nach so vielen professionellen Chefs in der Vergangenheit war ich schon der Meinung, die Besten erlebt zu haben, was sich als Irrtum herausstellte. Einen Chef mit diesem Alter, eine solche Fülle von Talenten in sich zu vereinen und auch wirksam umzusetzen, werde ich wohl nicht mehr so schnell finden." In der Begeisterung entgleist die Sprache, macht aber nichts: "Ich brauche ja auch keinen zu suchen, da unser Minister auch in der BBG mein Chef bleibt." O welches Glück!

Wozu der Aufwand, werden Sie fragen. Na ja, der Posten war doch ausgeschrieben, und am 27. April war Herr Ramprecht noch keineswegs bestellt. Sein Brief begann daher auch mit dem Satz: "Ab 1. Juni werde ich voraussichtlich einer der Geschäftsführer für die Bundesbeschaffungsgesellschaft sein." Aber bei der an Sicherheit grenzenden Voraussichtlichkeit, mit der unter Freiheitlichen Objektivierung betrieben wird, ist er mit seinem Brief wohl kein Risiko eingegangen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 19./20.5.2001)

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