Über die Leinwand hinaus

18. Mai 2001, 20:29
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"Bricolage" im Filmmuseum: Eine audiovisuelle Sonntagsmatinee mit Lampalzer/Oppermann

Wien - Reisende, die regelmäßig den Wiener Südbahnhof frequentieren, werden auf ihre Arbeiten vielleicht schon gestoßen sein: Mit "Leuchtinstallationen in den reilluminierten Fahrplanzylindern", Fotoserien und Texten verkürzen Gerda Lampalzer und Manfred Oppermann dort seit 1996 auf hintersinnige Weise die Wartezeit.

In der Medienwerkstatt Wien, deren Leitungsteam Lampalzer seit 1980 maßgeblich angehört, haben sie zuletzt "Doppeltes Spiel", eine mehrdeutige Sammlung von - möglicherweise inkriminierenden - "Beweisstücken", ausgestellt. Auch ihre Filme charakterisiert ein Zugang, der den Betrachtern stets weitere Assoziationsmöglichkeiten einräumt und von einem erweiterten Filmbegriff ausgeht, der "Film als Objekt", als Versuchsfeld für "Scheinexperimente" versteht, die "nur scheinbar ,sinnlos' sind".

In 7 Versuche mit kanadischen Linsen etwa kommen die geschliffenen Gläser als Requisiten und Bastelmaterial vor der Kamera zum Einsatz, und mitunter entstehen aus der Verbindung von Licht und Bewegung dann doch wieder optische Effekte auf der Leinwand - nur eben anders, als der Titel suggeriert. Dabei bleiben die Arbeiten ganz unprätentiös, kommen eher als Homemovies daher. Nichtsdestotrotz finden hier Auseinandersetzungen vor einem medientheoretischen oder kunsthistorischen Hintergrund statt, etwa in nachgebauten Bildzitaten oder "Anklängen an Methoden".

Ihre kurzweiligen Paranormalen Experimente beziehen sich ebenfalls auf historische Vorläufer, zum Beispiel "Aurafotografie" oder Geisterbilder, und wissenschaftliche Versuchsanordnungen, die im Nachvollzug durch das Künstlerduo wiederum überraschende Effekte zeitigen - höchst poetische, flirrende, irritierende Bilder generieren oder einfach guten Slapstick produzieren.

Am Sonntag stellen Gerda Lampalzer und Manfred Oppermann bei "short cuts & cookies" ihre Arbeitsweise und einige ihrer "Arbeitsbeobachtungen" vor - mittels "Medienmix" aus Filmzuspielungen, Dias, Objekten sowie ihren begleitenden Kommentaren und dem Lauf der Dinge von Fischli & Weiss als explosiver Draufgabe.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20. 5. 2001)

Von
Isabella Reicher

20. 5.,
Filmcasino,
Wien 5.,
Margaretenstr.78,
587 90 62;

Frühstück 11.30,

Film 12.00
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