Achtung, Musik verfällt in 30 Tagen

18. Mai 2001, 19:28
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Musikindustrie antwortet auf Napster-Phänomen - Demoversion von MusicNet vorgestellt

Erst auf mehrmaliges Nachfragen ließ Edgar Bronfman, Chef des Unterhaltungskonzerns Vivendi Universal, vor den Napster-Anhörungen des US-Justizausschusses die Katze aus dem Sack: Wer von der künftigen Universal-Sony-Musikplattform Duet im Internet Songs herunterlädt, bekommt diese nur limitiert zur Verfügung gestellt. Sprich: Wer den Dienst für 30 Tage abonniert hat, dessen heruntergeladene Songs werden sich nach 30 Tagen nicht mehr abspielen lassen. Das berichtet das Netzkultur-Magazin des Onlinedienstes heise.de am Freitag.

Ähnliche Beschränkungen will auch die Konkurrenz in ihr Service einbauen: "Ihre Lizenz ist ausgelaufen. Drücken sie Play, um die Lizenz zu erneuern", wird jene Meldung sein, die User von MusicNet, der gemeinsamen Plattform der Musikgiganten AOL Time Warner, EMI und Bertelsmann nach einem Monat Musikgenuss zu lesen bekommen werden. Dies wurde bei einer ersten Vorführung der von der Softwarefirma Real-Networks entwickelten Demoversion von MusicNet vor dem Justizausschuss deutlich. Fest steht dabei bereits, dass man MusicNet-Songs nicht auf CDs brennen wird können. Auch die Übertragung auf mobile Abspielgeräte soll unterbunden werden.

Streamer-Technik

Auch wenn die Musikmultis den Namen des Unaussprechlichen selten in den Mund nehmen, so geht es doch stets um ein Alternativangebot für die Gratistauschbörse Napster, die im Juli von Bertelsmann in ein Abo-System umgewandelt werden soll. Bei Napster ist der Download von Musik möglich, die in relativ guter Qualität in MP3-Formate umgewandelt worden ist. MusicNet und Duet hingegen wollen in erster Linie einmal Musik in Streamer-Technik bieten. Dabei ist die Musik von CD-Qualität weit entfernt. Beide Konzerne wollen allerdings Napster-ähnliche Peer-to-Peer-Systeme für den Austausch von Dateien später einbauen. Unklar sei jedoch, ob es sich bei den Downloads wirklich um komplette Songs oder nur um Empfehlungen für die von MusicNet gehosteten Inhalte handeln wird.

Als Reaktion auf die Ankündigungen der Musikkonzerne - zeitliche Limitierung, nicht für mobile Geräte geeignet - postete ein User namens "Metallicahasser" (Metallica ist eine Rockband, die sich als Speerspitze der Anti-Napster-Fraktion hervorgetan hatte, Anm.): "Es ist nicht zu fassen, ich glaube die Musikindustrie lernt es wohl nie." (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Printausgabe 19.5.2001)

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