Zigaretten leichter, nicht teurer

18. Mai 2001, 19:03
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Neue EU-Tabakrichtlinie fordert weniger Nikotin, aber mehr Warnhinweise

Wien - Österreichs Raucher können sich beruhigt zurücklehnen und einen tiefen Lungenzug machen: Die Austria Tabak (AT) sieht vorläufig keinen Anlass für eine Erhöhung der Zigarettenpreise, wie sie zurzeit etwa in Deutschland diskutiert wird. Auslöser für die Preisdebatte ist die neue EU-Tabakrichtlinie, in der rigorose Auflagen für Warnhinweise auf Zigarettenpackungen sowie eine Reduktion der Höchstwerte für Nikotin und andere Rauchinhaltsstoffe geplant sind.

"Die Richtlinie sieht eine relativ lange Übergangsfrist bis 2004 vor, in der wir uns auf die neuen Anforderungen vorbereiten können, ohne die Konsumenten verstärkt zur Kasse bitten zu müssen", sagte AT-Pressesprecher Hubert Greier im Gespräch mit dem STANDARD. Diese "neuen Anforderungen" seien die Umrüstung der Druckanlagen sowie die toxikologische Analyse der Inhaltsstoffe der einzelnen Marken.

Laut der Richtlinie, die das Europaparlament in Straßburg am Dienstag beschlossen hat, müssen Hinweise wie "Rauchen tötet" ab 2004 auf beiden Seiten der Zigarettenpackungen abgedruckt werden und mindestens 30 Prozent der Verpackungsfläche einnehmen. Der erlaubte Höchstwert für Teer wird von bisher zwölf auf zehn Milligramm verringert, erstmals wird auch Nikotin auf einen Maximalwert von einem Milligramm reduziert.

Davon betroffen seien allerdings nur einige wenige Marken wie etwa Marlboro. "Die Inhaltsstoffe dieser besonders starken Marken werden den neuen Regelungen angepasst, was rein technisch kein großes Problem darstellt", sagte Greier. Der Geschmack werde dadurch nicht beeinträchtigt, versichert er.

"Milde Sorte" gefährdet

Das in der Richtlinie vorgesehene Verbot "irreführender Bezeichnungen" wie "leicht" oder "extra mild" könnte auch Auswirkungen auf die "Milde Sorte" haben. Dass die nach Memphis und Marlboro drittstärkste Marke der AT vom Markt verschwinden wird, glaubt Greier nicht. Derzeit gebe es verschiedene Rechtsmeinungen zu diesem Thema. Diese würden genau geprüft. Greier: "Sollte es tatsächlich zu einem Verbot des Markennamens kommen, haben wir mehrere Szenarien in der Schublade." Welche das sein könnten, wollte der AT-Pressesprecher nicht präzisieren.

Umso deutlicher dafür seine Meinung zu der strengen Richtlinie: "Der Versuch, Tabak zu diskriminieren, ist nicht neu. Schön langsam nähern wir uns einer Situation wie zu Zeiten der Prohibition im Amerika der Zwanzigerjahre." (Robert Zwickelsdorfer, DER STANDARD, Printausgabe 19.5.2001)

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