Tropenhelm statt Steirerhut

18. Mai 2001, 19:14
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WWF: Klimaerwärmung bedroht den österreichischen Wald

Lockenhaus/Wien Knapp die Hälfte der Fläche Österreichs ist von Wald bedeckt. Jährlich kommen 7000 Hektar Forst (das entspricht etwa 14.000 Fußballfeldern) dazu. Drei Prozent des heimischen Tanns sind Urwald, immerhin 22 Prozent kommen dem Urzustand noch ziemlich nahe und 41 Prozent weisen nur leichte Veränderungen auf. Alles im grünen Bereich? Im Gegenteil - sind der Hauptverband der Land- und Forstwirtschaftsbetriebe und der WWF (World Wide Fund for Nature) überzeugt: "Der Wald schwitzt." Und Schuld daran ist die Klimaerwärmung.

Für Günther Lutschinger vom WWF wird der Klimawechsel nicht erst kommen, er passiere bereits: Für die nächsten 100 Jahre werde eine Temperaturanstieg von 3,5 Grad Celsius erwartet. Im Pazifik sei eine Insel wegen des gestiegenen Wasserspiegels geräumt worden, 150 Menschen ("die ersten Klimaflüchtlinge") seien heimatlos. Auch in Mitteleuropa beginne sich die Erwärmung bereits zu manifestieren: "Die Biodiversität in empfindlichen Ökosystemen wie dem Wald ist bedroht", so Lutschinger bei einer Waldbegehung im burgenländischen Lockenhaus.

"Geht das so weiter, werden wir in Zukunft nicht mehr mit Filzhut und Gamsbart, sondern mit dem Tropenhelm in den Wald gehen", erklärte indes Christian Brawenz vom Hauptverband der Forstwirtschaftsbetriebe. Neben dem Tourismus sei die Forstwirtschaft der zweitwichtigste Devisenbringer des Landes. Schon allein deshalb müsse es ein politisches Interesse geben, den Biomasseproduzenten und Klimaschutzfaktor Wald stärker zu fördern.

Für Gutsverwalter Alexander Kottwitz-Erdödy ist das Ökonomische gut, das Grundsätzliche aber noch überzeugender: "Die Ökonomie ist ein Subsystem der Ökologie. Die Natur hat einen Wert an sich." Deswegen müsse sie auch so gut es geht geschützt werden.

Das passiert etwa auf dem Forstgut der Fürst Esterházyschen Privatstiftung in Lockenhaus mit "naturnahen Waldgesellschaften": Dort wird auf schädlings- und hitzeanfällige Fichtenmonokulturen verzichtet und auf die eigenständige Naturverjüngung der Buchen- und Fichtenwälder gesetzt. Und die - so hofft man dort - werden auch eine Klimaerwärmung aushalten. (chr/DER STANDARD, Print- Ausgabe, 19./20. 5. 2001)

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