"Zu viel zugemutet"

18. Mai 2001, 17:21
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Styria-Chef Pirker übt scharfe Kritik an ORF-GI Weis

Horst Pirker, Vorstandsvorsitzender der Styria Medien AG ("Kleine Zeitung", "Die Presse"), geht in einem Kommentar in der "Presse" vom Samstag hart mit dem ORF ins Gericht. Pirker kritisiert die Vorgangsweise von ORF-Generalintendant Gerhard Weis in der aktuellen Debatte um das neue ORF-Gesetz als "schiere Panik". "Wenn der ORF seine Glaubwürdigkeit und Funktion als öffentlich-rechtlicher Rundfunk retten will, sind einschneidende Strukturreformen notwendig, nicht politische Kartellbildungen und Propaganda-Kampagnen zur Bewahrung des Status quo", so Pirker.

Der ORF sei "unter dem jahrzehntelangen, politisch motivierten Schutz seines Monopols in eine derartige Größe geraten", dass seine Finanzierung "immer dreistere Formen der Geldbeschaffung" verlange. "Damit wird an einer der Grundfesten öffentlich-rechtlichen Fernsehens gerüttelt, nämlich der Glaubwürdigkeit, die das kostbarste Gut ernsthafter Medienveranstaltung ist", so Pirker weiter. Alle ehemaligen Monopolisten hätten "strukturelle Einschnitte" hinnehmen müssen, werde beim ORF davon abgesehen, "führt das zwangsläufig zur wirtschaftlichen Eskalation".

Der derzeitige ORF-Generalintendant habe es geschafft, "trotz unterschiedlichster Strömungen im ORF schlussendlich persönlich immer an der Seite der Gewinner zu stehen", schreibt der Styria-Vorstand weiter. Nun aber breche "beim Betroffenen Panik aus: Allzu schnell werden unselige Allianzen geschlossen, undifferenziert wird auf alles 'geschossen', was sich auch nur andeutungsweise als Bewegung entpuppen könnte, es wird gepackelt, leider auch gelogen, manipuliert und Repression ausgeübt." Gerhard Weis habe sich und dem ORF "zu viel zugemutet", so Pirkers Vorwurf.

Der Regierung attestiert Pirker "Problembewusstsein", da sie eine ORF-Reform und Privat-TV in Österreich anstrebe. "Dass sie diesen Versuch entgegen dem vehementen und in der Wahl der Mittel gar nicht zimperlichen Druck der vereinten Quasi-Monopole von ORF, Mediaprint und News-Gruppe unternimmt, zeugt von beachtlicher Zivilcourage." Er selbst sei "Optimist": "Die beiden Gesetze sind vielleicht nicht mehr als ein schwer verspätetes und viel zu zart ausgefallenes Signal, aber auch nicht weniger." (APA)

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