Steiner-Insolvenz: Engländer bereiten Klage vor

23. Mai 2001, 17:37
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Fortbestand des Unternehmens wird erwartet

Linz - Im Zusammenhang mit den drohenden Insolvenzen der Firmengruppe Steiner Industries mit Zentrale in Ebensee in Oberösterreich - es handelt sich um die drittgrößte Pleite der Zweiten Republik - nahm am Mittwochnachmittag der englische Mehrheitseigentümer Duke Street Capital Stellung. In einer Aussendung wurde bestätigt, dass "wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten und Malversationen" gegen den früheren Vorstand ermittelt werde und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden sei. Außerdem bereite Duke Street Capital eine Klage vor.

Weiters hieß es in der Aussendung, dass die Unternehmensleitung "gegenwärtig einen Konkursantrag vorbereitet". Unabhängig davon erwarte sich Duke Street Capital "den Fortbestand des Unternehmens und die Weiterführung der Handelsaktivitäten". Duke Street Capital bedauere, "dass wegen der vorgenannten finanziellen Unregelmäßigkeiten und Unrechtmäßigkeiten ein Insolvenzverfahren nicht mehr vermeidbar ist", es werde aber "von allen Parteien alles nur Erdenkliche unternommen, um Arbeitsplätze zu erhalten".

Weg zum Konkursrichter unvermeidlich

Die Steiner-Gruppe gehört zu 67 Prozent der Duke Street Capital und zu einem Drittel einer Privatstiftung der Familie Steiner. Laut einer Mitteilung des Anwalts des Unternehmens, Georg Unger, liege eine Überschuldung von 1,5 Mrd. S (109 Mill. Euro) vor, die Gesamtverbindlichkeiten würden sich auf vier Mrd. S belaufen. Daher sei der Weg zum Konkursrichter unvermeidlich.

Otto Urban, der Anwalt der Privatstiftung Steiner, zieht diese Zahlen in Zweifel. Die Engländer hätten vor der Übernahme der Zwei Drittel in den Jahren 1998 und 1999 die Bilanzen "ein halbes Jahr lang" prüfen lassen und seien zu dem Schluss gekommen, dass alles in Ordnung ist, sonst hätten sie die Firmenanteile nicht übernommen. Urban äußerte weiters die Vermutung, "dass seitens der Engländer seit Monaten die Zahlungsunfähigkeit künstlich provoziert wird, indem eingehende Gelder nicht zur Bezahlung von offenen Forderungen verwendet werden".

Zuletzt wurde als Voraussetzung für einen Ausgleich die Möglichkeit ins Gespräch gebracht, dass die Familie Steiner ihre 33 Prozent zum symbolischen Preis von einem Schilling abgibt. Bei der Steiner-Gruppe sind derzeit insgesamt 600 Leute beschäftigt, 400 davon in Österreich, der Rest bei der deutschen Tochter sowie weiteren Vertriebsfirmen in zahlreichen Ländern. (APA)

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