Iran: "Gladiator" Khatami hat neun Herausforderer

18. Mai 2001, 19:51
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Wahlkampf ist eröffnet - Kontroverse um Kandidatur des jetzigen Verteidigungsministers

Von 814 Präsidentschaftskandidaten im Iran wurden nur zehn zu den Präsidentschaftswahlen am 8. Juni zugelassen. "Neun Soldaten gegen einen Gladiator", so beschreibt die Zeitung Entekhab den bevorstehenden Wahlkampf. Alle gegen den amtierenden Präsidenten Mohammed Khatami - den Gladiator - antretenden Kandidaten gehören dem rechten Flügel der politischen Szene im Iran an.

Unter den Kandidaten sind mehrere ehemalige Minister und Staatssekretäre. Die Konservativen haben nicht explizit einen eigenen Kandidaten vorgestellt, aber es ist offensichtlich, dass der Wirtschaftsfachmann Ahmad Tawakoli ihr Favorit ist. Er kandidiert zum zweiten Mal. 1993 trat er als unabhängiger Kandidat gegen den amtierenden Präsidenten Hashemi Rafsandjani an und konnte vier Millionen Stimmen auf sich sammeln.

Aufsehenerregend ist die Kandidatur des jetzigen Verteidigungsministers Ali Shamkhani. Er gehört dem gemäßigten rechten Flügel des Militärs an. Seine Kandidatur hat im Iran heftige Debatten über die Beteiligung des Militärs in der politischen Macht ausgelöst. "Wenn ein General an die Macht kommt, wird der Weg für eine Diktatur geebnet", meinte ein Kommentator in der Zeitung Norous. Nach der iranischen Verfassung sind die Militärs zur Neutralität verpflichtet.

Der ehemalige Geheimdienstchef Ali Fallahian (der beim Mykonos-Prozess in Berlin als Mord-Auftraggeber genannt wurde, Anm. der Redaktion) ist einer von ihnen. In einer ersten Reaktion auf Fallahians Kandidatur meinte der ehemalige Kulturminister Ataollah Mohadjerani ironisch, Fallahian werde wohl weniger Stimmen als die bei den Wahlen abgegeben ungültigen Stimmen erhalten. Der Exgeheimdienstler wird im Iran mit den Intellektuellenmorden vor vier Jahren in Zusammenhang gebracht.

In Anbetracht der Zusammensetzung der Kandidaten meinte der Herausgeber der englischsprachigen Iran News und Wahlanalyst Mohammed Soltanifar im Gespräch mit dem STANDARD, die Wahlbeteiligung wird bei dieser Konstruktion niedrig sein. Nach seiner Analyse, die er bei der Universität in Teheran in Auftrag gegeben hat, wird Khatami bei einer Wahlbeteiligung von 60 Prozent mehr als 70 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Nach seiner Auffassung stehen die anderen Kandidaten etwa gleich. Und keiner von ihnen wird mehr als zehn Prozent der Stimmen bekommen können, vorausgesetzt, dass keine außerordentlichen Ereignisse den Wahlkampf aus dem Lot bringen. Am 8. Juni sind 42 Millionen Iraner wahlberechtigt.

STANDARD- Korrespondent Amir Loghmany aus Teheran
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