Experte: Leasingmodell realistisch

18. Mai 2001, 15:29
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Beispiele reichen von den ÖBB bis zum Verbund

Wien - Aus Sicht eines Finanzierungsexperten wäre ein Leasingmodell für Österreichs Autobahnen durchaus realistisch. In anderen Ländern sei diese Praxis für Infrastruktur bereits gang und gäbe. In Holland oder Belgien würde bereits das halbe Land an Amerika verleast, erklärte Winfried Schwarz von der Rechtsanwaltskanzlei Dorda Brugger & Jordis .

"Gute Beispiele"

Auch in Österreich gebe es bereits gute Beispiele. So hätten die ÖBB bereits einige Züge und Signalanlagen verkauft und zurückgeleast. Das selbe sei mit dem oberösterreichischen Strom- und Gasnetz geschehen, und auch der Verbund habe einige seiner Kraftwerke in einen derartigen Leasingvertrag eingebracht. In der Regel könne man dabei jedoch nicht von einem Verkauf des heimischen Eigentums sprechen, denn meistens würden die betreffenden Gegenstände an den US-Partner nicht tatsächlich verkauft, sondern nur langjährig vermietet. Das privatrechtliche Eigentum verbleibe in Händen des österreichischen Unternehmens.

Auf der anderen Seite ermögliche das US-Steuerrecht der Leasingfirma, das langjährig gemietete Gut in den USA als wirtschaftliches Eigentum zu betrachten und damit die getätigten Investionen schnell und fast zur Gänze von der Steuer abzusetzen.

Fünf Prozent bleiben

Neue Schulden beim österreichischen Unternehmen würden durch solche Verträge keine angehäuft. Vielmehr erhalte das österreichische Unternehmen eine einmalige Zahlung, die es zu etwa 95 Prozent an Banken weitergebe. Aus diesem Geld würden dann die Leasingraten und alle Kosten für die gesamte Vermietungsdauer beglichen. Dem heimischen Unternehmen blieben also etwa 5 Prozent als Gewinn aus einem solchen Deal - der allerdings sehr oft eine zweistellige Milliarden-Dimension hat.

Dieser Gewinn werde dann meist reinvestiert. Ein solcher "Cross-Boarder"-Vertrag nütze daher oft auch den Kunden. Die Wiener Linien beispielsweise, die Straßenbahnen und U-Bahnen vermietet und zurückgeleast haben, hätten mit den Leasingeinküften beispielsweise den Bau der Wiener-U-Bahn-Aufzüge finanziert.

Denkbar sind Cross-Boarder-Verträge für das heimische Straßennetz zunächst vor allem auf den Mautstrecken oder auch für Schienennetze der ÖBB.

Rein technisch und rechtlich sei das Sale-and-Lease-Back-Modell sicher auf das heimische Straßennetz anwendbar. (APA)

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